Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 21.1923

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R. GROSSMANN, BILDNISZEICHNUNG WILHELM VON BODE

KÖPFE

BILDNISZEICHNUNGEN RUDOLF GROSSMANNS

VON

KARL SCHEFFLER

Er zeichnet gern aus dem Hinterhalt. Man
überrascht ihn bei einer Wendung, wie er
einen verstohlen aufs Korn nimmt und schnell
einen Umriß zu erhaschen sucht. Oft ohne aufs
Papier zu sehen, wie ein Trancezeichner. Er
zeichnet die Menschen, wenn sie im Gespräch
oder in Bewegung sind, wenn sie nichts merken
und sich darum ohne Posen geben; etwa so wie
Chodowiecki, der es selbst mit reizenden Worten
einmal geschildert hat: durchs Schlüsselloch. Nicht,

um äußere Ähnlichkeit festzuhalten. Die Absichten,
Erfahrungen und Fähigkeiten eines Emil Orlik,
der auch immer das Skizzenbuch in der Tasche
hat und es bei jeder Gelegenheit zückt, sind ganz
andere. Großmann sucht, und findet in glücklichen
Augenblicken das, was man die innere Ähnlichkeit
nennen kann, was Liebermann meinte, als er zu
Dehmel scherzend sagte: ich habe Sie ähnlicher
gemalt als Sie sind. Großmann umkreist sein Modell
und macht sich eine Vorstellung von dem Menschen.

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