Heidelberger Beobachter: Kampfblatt der Nationalsozialisten für Odenwald und Bauland — 1 (September-Dezember).1931

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W eie am Elichcinen (auch durch höhere Geival,
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Anzeigen Nr 8 ,-tp«r«ene MMImetaMe lt'Ps«. Bei Wirde»
bsLung lliadat! nach «»fliegendem Tank. Schluß der Anreise»
Annahme: 18 Uhr. Anzeigen - Annahme: Lucherstratze ».
Te!. «YjS; Warttvlat: s, Tel. 86. Zahlung», und Trfüllnn^
ort: Heidelberg. AugchlieWcher Gerichtsstand. Heideiber»
LokilcheÄouro: Heidelberger Leabachtcr, «arlSrudi glSLe

8»r zrsitzM «s» Brot!

Nr. 201 /I. Jahrgang

Donnerstag, den 24. Dezember 1931

Freiverkavf 15 Pfg.

Was ist das, Herr Groener?
Zra^ >1/rF^ vo/" eine?' neuen /nnasion, ^n/nu/ e^ c/ie non
oie/en Den^c^en anLc/keinenc/ T/e^Fessene /^/ein/F^eii noe/r nie/ri T?e?F6§5en
/roi, Oen/Le/r/nnei e^ wo?-, cias /97^ rrnke?' eine/' /ÜFen^o//en ^8e-
F^ünciunF /^QN^z-eie^ c/en ^ieF e v^/ü/ ie."

Diesen Satz findet man in der „Welt-
bühne" vom 22. Dezember 1931, Jahr-
gang 27, Nr. 51, geschrieben von dem
Pazifisten Hellmuk von Gerlach in einem
Artikel „Paul-Boncour hat Recht!"
Dieser Artikel dürfte auch sonst den
Herrn Reichswehr- und Aeichsinnenmi-
nister interessieren, denn er tut das, was
Herr Groener „Staatsverleumdung"
nannte und betreibt die Geschäfte
Frankreichs hinsichtlich der kommenden
Abrüstungskonferenz.

Die „eiserne Front"...
ein toWmlies Md!
Dor einigen Dayen überrasch!« die SPD-
Presse die Öffentlichkeit mit zahlreichen Nach-
richten über die Bildung einer „Eisernen Front"
gegen .den Nationalsozialismus. Man sah schon
nn Seifte die Bäuche der Ovambokrieger blut-
rünstig tätowiert, öle Skalpe von Nationalsozia-
listen am Leibriemen kragend, durch die deutschen
Gaue ziehen, man sah Ovambo, damals noch
den Ersten, heute den Abgesägten, und den Ge-
noffen Hölkermann, der jetzt die traurige Erb-
schaft der Herrschaft über die Skämnze der Dick-
bäuche und Plattfüßler angetreten hak, mit wal-
lendem Federschmuck und stolz geblähter Män-
nerbrust geqen den Nationalsozialismus zu Felde
ziehen. Aber schon im Frühling reifen nicht
all« Blütenträume, -geschweige denn im Winker.
Die „Eiserne Front" zerfällt noch ehe sie recht
geboren ist. Der DHV läßt heute erklären, daß
fiir ihn eine Beteiligung zur Verhinderung der
parlamentarischen Machtergreifung der Natio-
nalsozialisten nicht in Frage komme. Und selbst
die Christlichen Gewerkschaften scheinen ein
Haar in der Suppe gefunden zu haben, denn sie
erklären, alle Nachrichten über ihre Beteiligung
an der .Msernrn Front" unter Leitung" des
Reichsbanners für unrichtig. Was bleibt also
von den schönen Wunschträumen der SPD, die
mit Hilfe der „Eisernen Front" die deutsche Ar-
beiterschaft weiter betrügen will, noch anderes
übrig, als das Reichsbanner, ein paar Sozial-
demokraten und ein paar irregeleitete Gewerk-
schaftler? Die große Masse der Mitglieder auch
der Freien Gewerkschaften hat den Schwindel
schon längst satt und denkt nicht daran, die ihr
vom Reichsbanner zugewiesene „Staffel" zu
bilden. Es ist also wieder mal nichts. Zur Be-
lustigung des deutschen Volkes schlagen wir aber,
vor, man möge eine besondere Staffel aus SPD-
und Gewerk-schaftsbonzen bilden. Es wird be-
sonders in Heidelberg zur Belustigung der Be-
völkerung ohne Unterschied der Partei beitragen,
wenn die Genossen Amann, Barkels, Adolf
Rausch, Maurer, Stock und wie sie sonst heißen
mögen, als „eiserne Division" marschieren wer-
den. Wir befürchten nur, der Marsch wird sehr
kurz sein und dürfte aller Wahrscheinlichkeit
»ach im „Arkushof", bei der Martha, Frieda,
oder Else enden. Diese „eiserne Division" wind
schon durch den Lachreiz, den sie Hervorrufi,
lebensgefährlich wirken. Frei Heul!
Achtung, es wird saniert!
Im November 1931 betrugen die Einnahmen
des Reichs an Besitz- und Verkehrssteuer 365,8
Millionen NM und aus den Zöllen und Ver-
brauchsabgaben 202.6 Millionen RM, zusam-
men 568,4 Mill. RM. — Gegenüber dem snk-

Der obige Satz bedeutet nichts an-
deres als die Unterstützung der französi-
schen im Versailler Vertrag niederge-
legten Kriegsschuldthese!
Wir wollen uns hier nicht in juristi-
sche Begriffsstreitereien einlassen, aber
das deutsche Volk in seiner überwiegen-
den Mehrheit empfindet das hier sicht-
bare Verhalten des Gerlach als glatten
Landesverrat! Ganz abgesehen von der
Unrichtigkeit der Gerlachschen Feststel-
lungen.

Wir erwarten, daß der „Wetlbühne"
nun ein für alle mal ihr schmutziges
Handwerk gelegt wird. Was in diesem
Blatt Juden, Pazifisten und sonstige
„ehrenwerte" Leute treiben, hak nichts
mehr mit freier Meinungsäußerung zu
tun. Wir sind gespannt, ob Herr Groe-
ner durchgreifen wird.
»


sprechenden Monat des Vorjahres sind im
Ganzen 56,6 Mill. RM weniger aufgekommen.
Dabei ist noch zu bemerken, daß im November
1931 die erst im Rechnungsjahr 1931 neu ein-
geführke Krifensteuer 21,5 Millionen RM er-
bracht hak.
Einer, der sich nicht
bestechen ließ!
3m Sklarekr-Prozeß wurde der Verwal-
tungsdirektor der Kleiderkammer des Ber-
liner Jugendamtes, Golz, vernommen; Golz
sagte bei seiner Vernehmung als Zeuge ans,
daß er sich um die Verfügung des Herrn
Böß, Bekleidungsstücke von den Sklareks
zu beziehen, herumgedrückt habe, da er sah,
daß man ihm die zweite Qualität liefern,
sich aber die erste bezahlen lassen wollte.
Man hat ihm auch 1000 Mark für die
„Waisenkinder" angeboten, die er aber ab-
gelehnt habe. Man kann begreifen, daß

sich der Unterton des Erstaunens in der
lakonischen Bemerkung des Vorsitzenden er-
kennen ließ, als er sagte: „Das ist eben
einmal einer, der nichts angenommen hat!"
Anständigkeit und Reellität ist eben heute
eine mit der Laterne zu suchende Selten-
heit.
Die Einsuhrkontigentiorung m Holland.
Amsterdam, 28. Dezember. Die erste hol-
ländische Kammer nahm am Dienstag das Ge-
setz über die Einfuhrkonkingentierung nach kur-
zer Aussprache in einfacher Abstimmung an.
Mm WM-jmnWM KMlt.
Japanisch« Bomben auf Kinkschan.
Moskau Uber Kowno), 23. Dezember. Nach
einer russischen Meldung aus Tokio haben ja-
panische. Bombenflugzeuge am Dienstag Kint-
jcha-u bombardiert. Dis Japaner warfen 23
Bomben ab. Die Verluste der Chinesen wer-
den als erheblich bezeichnet.

„MWWMen!"
S. — Eine Regierung, die in ihren Maß-
nahmen bald so weit geht, dem deutschen Volk
notzuverordnen, was es zu denken und zu füh-
len hat, ist auf den famosen Einfall gekommen,
auch den „Weihnachtsfrieden" per Notverord-
nung zu liefern. Wir.wollen heute einmal da-
von absehen, daß die eigentliche Ursache dieses
notoerordneten Friedens in dem Wunsche der
Regierung liegt, möglichst jede Kritik an der
neuen Notverordnung zu verhindern. Statt-
dessen scheint es notwendig, den Grundirrkum
Regierung Brüning, der sich auch in dem Glau-
ben offenbart, einen „Weihnachtsfrieden" mit
Erfolg notverordnen zu können, aufzuzeigen.
Politik ist nicht nur. jedenfalls nicht allein,
eine formale Angelegenheit, die sich auf dem
Gebiete der ordentlichen oder außerordentlichen
Gesetzgebung abspielt, sondern Politik bedingt
vor allem die klare Erkenntnis jener Stimmun-
gen, die in einem Volk lebendig find, bedingt
die intuitive.Erfassung von taufend kleinen und
kleinsten Imponderabilien, bedingt vor allem den
seharischen Blick, der das instinktive Denken und
Fühlen eines Volkes in einem Bilde der Zu-
kunft vorausschauk, und fordert den handelnden
Menschen, der seine Politik nach -diesem erschau-
ten Zukunftsbild ausrichtet. Dies alles zusam-
men - mit dem rein handwerksmäßigen Können
macht erst den Politiker, macht vor allem den
Staatsmann aus!
Woran krankt nun das Regime Brüning?
Warum taumelt es außen- und innenpolitisch
von einem Mißerfolg zum anderen? Warum ent-
fernt es sich immer mehr von den Grundlagen,
di« der Regierung eines demokratischen Staates
allein Halt zu geben vermögen, vom Volk?
Vor allem deshalb, -weil der von feinen
Freunden als „großer Staatsmann" gepriesene
Herr Brüning ohne jede Rücksicht auf das Den-
ken und Fühlen des Volkes im luftleeren Raum
einer konstruierten Staatsvernunft regiert.
Eine Notverordnung jagt die andere. Jede
neue belastet das Volk stärker als die vorher-
gehende. Alle diese Verordnungen find ledig-
lich nüchterne Paragraphsnbände, zu denen
Kommentare dreifachen Umfanges geschrieben
werden müssen, um sie der breiten Masse der
Volksgenossen überhaupt verständlich zu machen.
Die jeweiligen Rundfunkreden des derzeiti-
gen Kanzlers machen die toten Paragraphen
nicht lebendiger. Das Volk wehrt sich gegen
diesen Staub unübersehrbarer Nokverorönungs-
akkenberge, die es zu erdrücken drohen.
Es will einfache und klare Gesetze. Es will
vor allen Dingen -wissen, warum und wohin! —
Auf diese Fragen antwortet Herr Brüning nicht,
denn er kann nicht antworten, weil feine Ver-
ordnungen Maßnahmen von Tag zu Tag sind,
die derartig tiefe Eingriffe in das Leben des
Einzelnen niemals rechtfertigen. Herr Brüning
kann nicht antworten, weil seine Kompromiß-
politik, seine Abhängigkeit vom Marxissmus,
keine gerade politische Linie, die das deutsche
Volk erkennen könnte, zuläht. Deshalb lehnt
es ihn und seine Politik, ganz abgesehen von
den fortgesetzten Fehlern dieser Politik, ab.
„Weihnachtsfrieden", so dekretiert Herr
Brüning und damit ist für ihn öie Sache er-
ledigt. Daß zum Weihnachtsfrieden nicht so-
sehr in erster Linie die äußere, sondern öie in-
nere Ruhe gehört, das scheint der derzeitige
Kanzler nicht zu sehen.
Daß man einem Volk im Kampf um feine
Existenz durch Dekrete keinen inneren Frieden
geben kann, daß das Verbot nationalsozialisti-
scher Weihnachtsfeiern, nationalsozialistischer
Konzerte, nicht diesem ineren Frieden, sondern
dem Gegenteil dient, daß ungerechtfertige Haus-
suchungen und Terrormaßnahmen gegen die
NSDAP, daß die fortgesetzten Verbote natio-
nalsozialistischer Zeitungen lediglich zu einer
weiteren Erregung des Volkes führen, das alles
scheinen für Herrn Brüning unbekannte Tat-
sachen!
-Er lebt in der Welt der Paragraphen und
hat den Zusammenhang mit dem deutschen Volke
und seiner seelischen Not verloren!
Aus der Seele des Volkes aber allein kann
nicht nur der Weihnachtsfrieden, sondern der
Wiederaufstieg.des Volkes erwachsen!
5 349 000 arbeitslose Volksgenossen — und
dabei iWeihnachksfrleden! .— wovon am nächsten
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