Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

Page: 29
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1921/0049
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
INNEN-DEKORATION

29

des Künstlers an seinem HM| DIE BESEELTE

Werk. Am eigenartig- BAUKUNST
sten ist die Decke der

großen Speisehalle, T~Ye Arcnitektur
deren Feldergrund, in .L/nur in »scböngestal-
durchscheinendenOnyx- teter Zweck- Erfüllung«,
platten hergestellt, dem in schmuckhafter Ein-
Raum einen Teil des kleidung dessen zu sehen
Lichts vermittelt. Am was man nun einmal not-
Tage erscheinen sie in wendig braucht, also
dunklem Grau und Grün, ihr die Rolle einer Art
am Abend aber, wenn Kunstgewerbe zuzuwei-
die Birnen über ihnen gf sen, das ist eine allzu
aufleuchten, werfen sie ■ geringschätzige Auffas-
ein goldenes Licht in I sung von ihrer Bedeu-
den Saal. Man denkt tunR' Es zeigt sicnscnon
an die dünnen Marmor- H bei jenen Bauten, die von
tafeln, die im Dom von einem Mehr als der blo-
Orvieto die Fenster fül- ßen Notdurft verlangt
len. Aber auch den üb- werden, daß sie als
rigen Licht-Trägern ist Kunst, als Spiel der
in der Form besondere Phantasie auftritt, das
Sorgfalt geschenkt. Ich nur noch ganz lose Be-
verweise nur auf die & ziehungenzujenenZwek-
großen Ampeln der Gar- ken hat. — Keine Tätig-
tenhalle, in denen das keit der menschlichen
Gittermotiv der Decken- jg* Phantasie kann aber zu
maierei nachzuklingen | j festen, tiefgreifenden
scheint, und die wie F-'J Formen führen, wenn sie
große Körbe wirken, in Irl nicht im inneren, seeli-
denen die Bündel der schenLeben, in dem

G

Lichtkörper hängen. . . ganzen Daseinsgefühl
Wohin man schaut: HH K des Menschen wurzelt,
alles trägt in diesem 'fcfA Was in Stein als Denk-
Hotel- Neubau eine per- mal menschlicher Gei-
sönlicheNote. Aber nir- v H ster für Jahrhunderte
gends ist dies Person- in die Höhe ragt, muß
liehe, Individuelle über- auf einer breiten und
spannt worden. Daher >■ starken Grundlage des
die vollendet harmoni- ^K«fc 1 I 1 Empfindens ruhen. —
sehe, wohltuend ruhige |m M 1 Von der Tiefe und Kraft
Stimmung bei aller Le- ||j Hft ? lj^gg^" jV der Lebens-Auffassung
bendigkeit, die den Be- im Großen hängt nicht
schauer, den Hotel-und allein das Groß ge-
Kurgast stets leicht und I baute ab; ihre Inten-
angenehm nur anregt, sität, ihre Leidenschaft
ohne ihn aufzuregen. erzeugt erst das Schöne
Für ein Hotel der ideale H im Kleinen. Sie allein
Ton, der hier gefunden vollbringt die rechte
wurde. . . . dr. reiners. |.| ., J| WertungdesMaßstabes,

den die Aufgabe des

»ERLEBEN« Architekten in sich trägt.

eht etwa die Zeit H Es war in der Gotik die
rückwärts, — weil gleiche Hingabe,
auf den Winter wie- \tr MSS I lr welche die hinreißende
der ein Frühling folgt? Kühnheit der Dome
(»Alles schon dagewe- türmte und zugleich in
sen!« . . .) . . Geben H deneinfachenBauten
wir uns doch einfach die restlose Durchdring-
dem Erleben alles ung der praktischen
Werdens hin — ohne H5M und konstruktiven An-
Angst, uns zu wider- forderungen erzeugte,
sprechen! adolf behne. hotel re™*^0- schnitzwerk in d. halle, bildh. himmelstoss bruno taut (,siadtkkone..)
loading ...