Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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INNEN-DEKORATION

EINE ZUSCHRIFT

Könnten die nachfolgenden Ausführungen in der
»Innen-Dekoration« Aufnahme finden, — da es
eine Frage ist, die denen, welche mit Wohnungs-
fragen zu tun haben, nicht ganz unwichtig sein kann?

Geht man heutzutage durch jene Stätten, die
uns den reinen Geschmack der Zeit zeigen und an-
erziehen sollen, wo uns das Heim so ideal und ästhe-
tisch wie möglich vor Augen geführt werden soll:
die Möbel-Ausstellungen, so kann man sich
oft mit Grausen wenden. Wohl gibt es einige, die
einem einen vollen Genuß und die Freude am
Material nie versagen, aber es sind doch nur recht
wenige. In den meisten sehen wir übertriebenen,
undeutschen Luxus, oder neugearbeitete alte Stil-
möbel. Stätten einer hohen Zivilisation, wie wir sie
wohl genau so in New-York finden werden; aber wo
bleibt da die deutsche Kultur? Große, köstlich ein-
gerichtete Geschäftshäuser sind nur auf den Bau sol-
cher, vergangenen Stilen angehöriger Möbel einge-
stellt und ein Teil des Publikums huldigt diesen im
vollen Maße. Sind wir denn geistig und künstlerisch
so arm, daß wir Altes wieder herbeiziehen müssen?
Wohl kann man schöne alte Einzelformen verwerten,
aber ganze Möbelstücke und Einrichtungen bis ins
kleinste Detail nachzuahmen, ist doch ein Tiefstand.

Zufällig sprach auch Goethe einst mit Ecker-
mann hierüber und äußerte sich folgendermaßen:
»Sodann kam man auf den neusten Geschmack,

budapester werkstätte. zigarrenschrank m. intarsia

fetische, des Nahens und Weichens — des end- J^WBc^MBBC
liehen Vereins? Und — des Grausamsten der grau- jg^W^jW^^S^.
samen, der endlich zwischen Dir und dem Allen eine mBm m^iäUat^^iäi^XKK

Kluft riß, so abgrundtief und so weit, daß Dein nMtr* ^ESlfr^ttvÄ

Herz zerspringen möchte bloß bei dem Gedanken? mtt^^mm V

»Eine verfeinerte Wohnkultur wird der Aus- M'WMM * mV\

gestaltung von Kleinmöbeln ganz besondere Sorg- ml^ök.
falt zuwenden!« Wie seltsam das klingt, wer
schrieb das doch ? . . . kuno graf von Hardenberg.

GEFÜHL FÜR DAS SCHÖNE

Bewunderung ist eine ganz feine Kunst; an rechter
Stelle zu bewundern ist ebenso recht und
schön, als etwas Bewundernswertes zu schaffen.
Jede Vergeudung dieser Gemütskraft aber hat
traurige Verarmung zur Folge . . . Was uns impo-
niert, ist Kriterium unseres Geschmackes, was
einem ganzen Volk imponiert, Gradmesser seines
ethischen Wertes . . . Das ist ein erschreckend ern-
stes Wort. . . . alexander von gleichen-russwurm- ^_^^M0^MH£2j SSm.

Zum Geschmack erziehen, heißt nicht Geschmack B^^m
predigen, sondern ihn zeigen, damit die Seele um-
ringen, ihn von Jugend auf melodisch und tätlich lehren, ^^J(ifl Bfe^^Jrffl

in die Kräfte eines Zöglings mit sanftem Schwünge
Ordnung bringen,der Seele hellen, freien,lichtenBlick,
dem Herzen sanft Gefühl des Schönen und Guten —

mit Vernunft und Wahl begleitet — geben, herder. budapester werkstatte, vitrine: rot, weiss, schwarz, oold
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