Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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INN EN-DEKORATION

architekt ernst pallme-kön1g - wien einfaches wohn- und esszimmer in eiche

Fensterplatz, die bequemen Sessel, die geruhsame Ecke EINHEIT UND VIELHEIT
neben dem Herd, und gegenüber dem Fenster eine mäch- y-*. inzusammeDhangIosesNeben-Einander verschiedener
tige Anrichte- und Abwaschgelegenheit lassen den Raum £L schlecht geformter Gebilde ergibt stets einen Miß-
ais besonders geeignet für ein Siedlungshaus erscheinen, klang; — einen reichen Wohlklang dagegen das gesellige
Die formschönen Möbel sind in Naturholz belassen. ßei-Einandersein sinnvoller, in sich abgerundeter Formen.
Noch ungewohnt für den Durchschnitts-Geschmack wirkt Eine straffe Einheit zu suchen, die Ordnung schafft,
die betonte Schlichtheit des dazu gehörigen neuartigen jst da notwendig und nützlich, wo formlose oder gehalt-
Schlafraumes (S. 190), besonders der Betten. lose Menschen, Möbel oder Dinge vorhanden sind. Das
Auf neuen Bahnen wandelt Architekt HugoGorge.* War der Fall in unserer Einrichtungskunst, als es galt, von
In seinem Wohnraum (S 182-183, Ausf.: R. Lorenz) den entseelten Formen einer kulturlosen Zeit hinweg
sind aus verschiedenen Hölzern in ungewöhnlichen, aber 8icn durchzuringen zu einer neuen, gehaltvolleren Kultur,
feinen und zweckmäßigen Formen gefertigte Möbel Fortgeschritten ist inzwischen die Entwicklung der
zwanglos gruppiert. Besonders mutet der launige »Tee- Formen. Der starre Zwang der Einheit beginnt sich zu
Tisch« mit seinen verstellbaren Beleuchtungskörpern lockern.. Mit neuem Eigenleben begabt, beginnen die
eigenartig an. Auch ein ähnlich gestalteter Schlaf raum Möbel und Einrichtungsstücke sich wieder als selbständige
tritt aus der Reihe des Alltäglichen erfreulich hervor. Glieder zu fühlen, befähigt: zwanglos zu geselligem
Schließlich sei ein Wohn- und Eßzimmer des Archi- Bei-Einandersein in bunter Vielheit sich zu gruppieren,
tekten Ernst Pallme-König (S 186, Ausf : Staatl. In- Etwas eckig-unbeholfen und steif stehen daneben die
dustrie-Werke), sowie eine Küche und Schlafzimmer von Einrichtungsstücke der überstandenen, strengeren Zeit.
Architekt K. Bräuer (S. 187 u. 193, Ausf.: J. Stafl) aus Es erhebt sich die Frage: Sind wir reif genug, sicher
der Reihe der Räume noch erwähnt, karl walde-wien. genug, um diese erneute Auflockerung der Einheit voll-
ziehen zu dürfen? Gefahren drohen. Mißklänge ent-
„ J %1 die ntT Sch8i,f,,n<!en von Huz° c>ore<: (siehe auch unsere Erst- stehen, wenn nicht starke, künstlerische Disziplin waltet.

Veröffentlichung im September-Heft 1920) urteilt Peter Behrens folgendermaßen: NT. j- , . vr^ . T\° r" "
»Es gibt Möbel, Schränke, Stühle, Betten von dem Wiener Künstler Ciorge, die Nie dürfen Wir VergeSSen I Nur in sich Vollendete Ein-
für allereinfachste Handwerklichkeit erdacht sind, aber eine Seltsamkeit und Adel In -,__U-_ _„_____. tj • KV f lu

der Form zeigen, die sie weit über aiies Kleinwohnungsmobiliar erhebt«, wir hoffen, zeiiormen ergeoen zusammen eine Harmonie. Nie fehlt

demnächst in einer größeren Veröffentlichung eine Anzahl neuer Arbeiten dieses Archi'- bei der harmonischen Vielheit die innere Finheit

tekten zeigen zu können, der wie ersichtlich, vor allem an der Befreiung des Einzel- j , . " »>-u_c" V lClliCll UiC IOÜCiC

mobels von der allzu starren architektonischen Gebundenheit mitarbeitet. . . . RED. Cier gleichwertigen Vollendung aller Teile. hugo lang.
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