Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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INNEN-DEKORATION

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ARCHITEKT FRITZ AUG. BREUH AUS - KÖLN EINGEBAUTE BÜCHERSCHRÄNKE IN DER BIBLIOTHEK

digen Heroen oder Gottes, — das ist mehr denn genug.
Auch eines sinnreichen Möbels, um Mappen mit Zeich-
nungen und Stichen eine bequeme Stätte zu geben, er-
mangle es nicht, denn gerade für diese fehlt es gemeinhin
an gutem Raum, der ihnen Wert und Schönheit erhält
und ihrer Glätte gerecht wird.. Zum Sitzen aber bedarf
es vor allem eines Stuhles, der ein Thron ist, würdig
eines kleinen Jupiter, der in seinem Hirn Welten kreisen
läßt (ein solcher ist ein richtiger Leser). Hier ist zu
merken, daß dieser Stuhl nicht von einem Pfuscher ge-
macht sein darf, der lächerlichen Zierat oder eingebildete
Architektur über den hohen Zweck des sitzenden Aus-
ruhens und zugleich Genießens und Arbeitens stellt. Es
muß dieser Stubl ein Meisterwerk sein, so groß und be-
quem und gut in allem gestaltet, daß seiner niemand ver-
gißt, der einmal darin gelesen hat. k.graft.Hardenberg.

DIE WELT DER KUNST. Das Schöne will gar-
nichts als erfreuen. Die Welt der Kunst ist angst-
los. Auf dem Leben liegt ein eigentümlicher Druck.
Der muß noch nicht lange gelebt haben, der nicht ver-
spürt hat, wie ein Gespenster-Hauch über dem Leben
weht. »Es geht ein finsterer Geist durch dieses Haus«
können wir auch im Leben oft sagen. Das vergessen wir
in der Kunst, weil sie uns in einem reinen Schein, der
aber nicht inhaltlos ist, sondern Wahrheit ausstrahlt,
das beruhigende Gefühl und die Vorstellung einer voll-
kommenen, einer harmonischen Welt gibt, goethe.

FORM UND KUNST DER ZEIT

Form ist ewig. Wir umkreisen das Wunschziel der
Form in ungeheuren planetarischen Bahnen. Unaus-
gesetzt wechselt unser Abstand, unaufhörlich wechseln
unsere geistigen Voraussetzungen der Form gegenüber.
Von Epoche zu Epoche glühen wir in anderem Welt-
gefühl. Sehr fühlbar wird aus jedem Vergleich alter und
neuer Kunst, daß es niemals einen dauernden Formbesitz
gab, noch geben kann, einen Formbesitz, der als unver-
änderlich festes Ding zu vererben wäre. Neu und wild
stets jede junge, schaffende Generation vor unbegreif-
licher Pracht und Fülle der Welt. Sie besitzt an Form
nur das, was sie aus ihrem Blut erzeugt. . Nichts sonst.

*

Form, die wir nicht aus dem Geheimnis unseres
eigenen Lebens her vortrieben, hat keine Beziehung
auf uns. Unzulässig ist es, den Künstler für Kraft oder
Schwäche der durch ihn schaffenden Formgewalt ver-
antwortlich zu machen. Für die Form einer Epoche
ist jeder verantwortlich, der diese Epoche mitlebt.

*

Den Künstler nähren alle benannten und unbenannten
Kräfte, die im großen Hause seiner Zeit walten. Ihn
schwächen alle Ohnmächte, die prahlend lauten am
hellen Tag, die verborgenen, versteckten in den Winkeln.
Und immer ist die Zeitkunst die im Augenblick einzig
mögliche Sprache, das Ewige zu sagen. . . willy frank.
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