Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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260 INNEN-DEKORATION

ARCHITEKT HUGO GORGE-WIEN TEE-TISCH IN LÄRCHENHOLZ UND SESSEL

ARBEITEN VON HUGO GORGE-WIEN

VON PROFESSOR PETER BEHRENS.

Es scheint mir, daß wir allen Grund haben, unsere nicht viel mehr gesagt zu werden. Sie sind ihnen durch
Blicke auf die künstlerische Entwicklung Österreichs Bild und Wort hinlänglich bekannt geworden. Was aber
zu richten. Wenn wir Deutsche vielleicht eine stärkere nach meiner Meinung immer noch nicht genügend ge-
organisatorische Veranlagung haben und erkennen, daß würdigt wurde, ist die Persönlichkeit, die als Gründer
bei uns in allen Schichten bereits der Arbeitseifer wieder und Spiritus rector bis auf den heutigen Tag dahinter
einsetzt, was in Osterreich in dem Maße nicht der Fall sein steht, Josef Hoffmann. Denke man sich in eine Zeit
mag, so hat Osterreich ein anderes, wodurch es uns voraus nach hundert Jahren versetzt und befähigt, einen Rück-
ist: ein durch alle Kreise weit gebreitetes, höheres Ge- blick auf unsere Tage zu tun, man würde seine Bedeutung
schmacksniveau. Ich spreche jetzt nicht von Kunst, son- neben seiner eigenen produktiven Künstlerschaft, von der
dem von Geschmack, was ein anderes ist. Man wandere jetzt nicht die Rede ist, als Inspirator dieses Geschmacks-
nur einmal zur heutigen Zeit aufmerksamen Auges an den gewerbes erst voll erkennen. Hierauf hinzuweisen oder
Läden der Kärntnerstraße oder dem Graben in Wien ent- wenn es schon gesagt wurde, es mit Nachdruck zu wieder-
lang, betrachte sich z. B. die Sattlergeschäfte. Wo findet holen, erscheint mir Pflicht. Obgleich ich mich diesem
man sonst noch aus dem »Ersatz« eine solche tugendvolle Manne in aller Aufrichtigkeit befreundet fühle, glaube
Qualität gemacht? Eine Reisetasche, die aussieht, als ich mich, im Bekennen dieses Urteils nicht zurückhalten
stamme sie von Fitzroy in New-York und nur besteht aus lassen zu dürfen, so wenig mich die Zuneigung auch hin-
grünlichem Segeltuch mit braunen Lederecken und band- dert, ein Neues außerhalb seines Kreises anzuerkennen,
liehen Aluminium- Schlössern. Durchaus kavaliermäßig. Wenn es schon erstaunlich ist, wie eine Gruppe von
Denkt man dann an unsere schokolademalten Vulkanfiber- Künstlern, die um Hoffmann geschart, sich seit langer Zeit
koffer, die das Attribut des gebildeten Reisenden dritter immer wieder erneuert und durch ihre eigne Art erhält,
Klasse geworden sind, so wird einem der Unterschied so ist man umsomehr überrascht, auch von anderer Seite
klar. So kann es nicht wunder nehmen, wenn in solchem in Wien noch eigene Art zu finden. Ich weiß nicht, ob
geschmacklich höheren Milieu eine gewerbliche Kunst man in diesem Falle auch von einem Kreise sprechen
entstand, die nicht allein das Entzücken aller kultivierten kann. Bemerkenswert jedenfalls, besonders für uns in
Menschen Deutschlands ist, sondern die auch handels- Berlin, ist es, daß diese anderen Künstler neben der Hoff-
mäßig, wie z. B. auf den Messen in Leipzig und Frank- manngruppe, wenn ich nicht irre, von der Technischen
furt, große Erfolge erbrachte: die Ergebnisse der Wiener Hochschule in Wien herkommen. Es mögen deren meh-
Werkstätte. Den Lesern dieser Zeitschrift braucht darüber rere sein, ich denke jetzt an die mir bekannt gewordenen
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