Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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INN EN-DEKORATION

»GESELLIGER VERKEHR«

Nicht viele sind in so bevorzugter Vermögens-Lage,
ein großes Haus machen und glänzende Gesell-
schaften geben zu können. Gesellig aber kann jeder

leben, da es mit wenigen Mitteln zu erreichen ist.....

Auf Haltung und Anstand soll und darf niemand
verzichten, der in der Welt lebt. Die ungeschliffenen
Diamanten gelten nun einmal nicht im Verkehr, und nie-
mand beachtet sie. Wenn der Schliff auch nicht die Kost-
barkeit des Steines bestimmt, so erhöht er sie doch!..

Das Schrifttum sollte es als eine seiner höchsten Auf-
gaben betrachten, die Sprache zu veredeln. Da Sorg-
falt der Sprache — mehr noch als Kleid und Betragen
— den Gebildeten vom Ungebildeten unterscheidet, so
sollte man dies schwerwiegende Hilfsmittel der Bildung
nicht vernachlässigen oder gar dessen Besitz verleugnen.

Man darf nicht alle Menschen von vorneherein für
böse, man darf sie aber auch nicht durchweg für gut und
edel halten. Vor allem hüte man sich, über den Fehlern
und unvermeidlichen Schwächen eines Menschen die
guten Eigenschaften zu vergessen . . Wir sollten von
unserem Nächsten nicht gleich Böses denken, noch viel
weniger aber dürfen wir solches von ihm sprechen!

*

Eine alte Weisheit: Guter Rat wird meist nur be-
folgt, wenn er den Wünschen des Fragenden entspricht.

Herren sollten sich Damen gegenüber — nicht nur in
Gesellschaft — möglichst gefälliger Rede-Wendungen
bedienen . . . Eine Dame darf zum Herren kalt, scharf,
spöttisch, neckisch,abweisend sein—ungezogen aber nie.
Auch ein Handkuß will gelernt sein und kann unter Um-
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