Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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INNEN-DEKORATION

entwurf: eman. jos. margold. tischlampe. ausf: a. w1lk

Lampe: Tempel des Lichts im Kleinen, wie das Weltall
der Sonne Tempel im Unendlich Großen ist. Du hebst
die Strahlenspenderin auf zierlichen Altar, du schließt
sie in einen seidenen Schrein, der von Wonne brennt.
Das Kostbarste, Künstler, umfaltet ihr mit Gebärden, die
Anbetung und Heiterkeit, Stolz und Grazie vereinen.
Krinolinen wippen, Pyramide steilt auf, Terrassen
schwingen in Pagodenschnörkel aus: Krinoline, Pyra-
mide, Pagode, jedes ist Huldigung und Schrein.....

*

Lampe, du demutsvolles Dienen in höchster Majestät,
Freundin der Nachtwachen des Geistes, Krone der Güte:
Jeder Verkörperung ist Strophe einer Litanei, die dir
die Künstler singen, ist eine Inkarnation der ewigen
Lebensquelle, des Lichts. Ein Göttliches in zahllosen
Gestalten, auf zahllosen Altären. . . . anton jaumann.

LICHT UND DUNKEL

Form ist Waffe, die das Dunkle angreift und zurück-
treibt. Freilich, dieses Dunkle ist eigentlicher Stoff
unseres und aller Lebens. Aber Form ist die Gewähr
unseres einzelnen, verkörperten, persönlichen Daseins.
Das Fluten um uns ist heilig und tödlich. Form ist unsre
Weise, es zu nutzen, es anzueignen und umzuwerten.
Form ist Benennung des Feindlichen, Vermenschlichung,
Uberführung des Lichtlos-Tödlichen in unschädliche,
lebensfördernde Gestalt........Wilhelm michel.

entwurf: k. völlmy. lampe. ausf: aug. w1lk - darmstadt

LICHT-TRÄGER AUS HOLZ

Der Lichtträger in der Wohnung ist eine besonders
geformte und stilisierte Art, dem Raum das Licht
darzubieten. Es ist ein Unterschied, ob die Lichtquelle
auf gedrungenem Schaft steht oder auf elegant anstei-
gendem Stengel. Am Schreibtisch ist eine andere
Stilisierung der Licht darbietung angebracht als am Kamin,
auf dem Eßtisch eine andere als im Plauderwinkel. Hier
soll das Licht eine begrenzte Fläche nutzbar erhellen,
dort soll es sich mehr dämpfen, färben, schattieren.

Diese verschiedenen Bedürfnisse wirken bestimmend
auf Maße und Zierat des Ständers, auf Linie, Stoff,
Farbe des Schirms. Dazu kommt, daß der Lichtträger
auch außer Dienst, am Tage, ein wichtiger Mitbewohner
des Raumes ist. Er soll ihm Betonung und Zierat schaf-
fen. Daraus ergeben sich Beziehungen zwischen Farbe und
Form des Lichtträgers hier, der Möbel und Wände dort.
Unnötig zu sagen, daß der Lichtträger auch in sich
selbst wohldurchdacht sein muß auf Ubereinstimmung
zwischen Farbe und Form des Ständers und Schirmes.

Die Künstler des Hauses Wilk verwenden das Holz
keineswegs als bloßes Ersatzmittel. Sie rechtfertigen es
durch feine, formende Arbeit, die dem Wesen des Materials
Rechnung trägt. In diesen Lampen (S. 154—159), die
sich in den von Emanuel J. Margold eingerichteten
Räumen reizvoll darbieten, zeigt sich schöner künst-
lerischer Ehrgeiz und vorzügliche Arbeit. . . . w. frank.
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