Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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INNEN-DEKORATION

ARCHITEKT FRITZ AUG. BREUHAUS—KÖLN KAMIN IN DER BIBLIOTHEK EINES KÖLNER HAUSES

BUCH UND BÜCHEREI

Eine schöne Bücherei zählt zu den unerläßlichen tauglich funktioniert. Man hält es in bücherlosen Häusern
Bestandteilen eines wohleingerichteten Hauses, nicht lange aus, irgendetwas treibt einen daraus fortl
Bücher sind geladene Geistes-Batterien, geheimnisvolle Eine Bücherei soll an der ruhigsten Stelle des Hauses
Kraftquellen, die Strahlen des Lebens aussenden; sie liegen — sie soll nur eine, womöglich versteckte Türe
wirken schon durch die Tatsache, daß sie da sind! Die haben, denn Türen sind Dinge des Verkehrs und er-
Möglichkeit, sie immer zur Hand zu haben, gibt schon zeugen das Gefühl der Unruhe oder der Erwartung von
ein Gefühl der Beruhigung und der Befriedigung. Und Kommendem, welche dem wahren Büchergenusse feind-
nun erst, wenn man sie öffnet: Tore zu anderen Welten lieh sind. Ein Kamin soll darin sein, ein weites Fenster
sind ihre Deckel, wenige Blicke auf die ausgesäten soll Licht bringen ohne andere Ausblicke zu geben, als
Zauberzeichen, und wir sind entrückt in ein duftiges die in friedlich schlafende Baum-Massive, — und die
Jenseits: Länder, Städte, Häuser, Herzen tun sich auf, Wände sollen ringsum aus Regalen bestehen, warm-holz-
ungekannte Freuden und Leiden offenbaren sich uns, tonigen Regalen, die nichts weiter sind als zierliche
Beziehungen spinnen sich an, man wird aus Einem zu Rahmenleisten in den bunten Tapeten der Bücherreihen.
Vielen, zu Allem, man fühlt und leidet tausend Zusam- Geschlossene Glasschränke mögen Vorzüge haben,
menhänge und wird zu den seligsten Lösungen geführt, dem wahren Büchergenießer sind sie fremd — Trenn-
Schließt man den Deckel — so erscheint die Wirk- wände zwischen ihm und seinen Freunden ... Es mag
lichkeit neuer, frischer, reicher, heller öder dunkler, so ist sparsam umgegangen sein mit Zierat in der Bücherei
einem, als wäre man von einer Reise zurückgekehrt, als und papageienhaften Farben und schwatzenden Orna-
habe man sich erfrischt, erholt, geläutert, und mit festerem menten — sie alle sind in einem Geisterlande nicht am
Schritte schreitet man den Aufgaben des Tages entgegen. Platze. Hie und da ein Ruhepunkt für das schweifende

* Auge in Gestalt einer Erdkugel, eines in kosmische

Wie trostlos ist ein Haus ohne Bücher! Das Auge Weiten entrückenden Himmelsglobus, einer edlen Vase,

irrt umher, sucht, tastet an den Schlössern der Schränke deren selig gestaltete Form und Farbe aufs Höchste zu

— ein Buch, ein Königreich für ein Buch. Ach wie bald klären, Generationen von Töpfern nötig waren, einer

weiß es der Instinkt, wo sie zu finden sind und wo nicht, ernsten Bronze, deren Patina von jahrhunderte-altem

er ist ähnlich dem Wasserinstinkt der Tiere, der so un- Erdenschlaf raunt, der Marmorbüste eines anbetungswür-
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