Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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INNEN-DEKORATIÖN

architekt hugo gorge—wien wohn-z1mmer mit teilweise alten möbeln

kehrt. In roher Umgebung wurde der Wandteppich, der »DAS'RAD DES LEBENS«
uns primitiv erscheint, als höchste Verfeinerung emp-
funden. Im Ölbild begrüßte man die Möglichkeit resl- Tm Anfang, — als in das ungeformte Dunkel der Geist
loser Genauigkeit, feinster Farbenübergänge. Man X des Weltenschöpfers drang, sehnsüchtig nach Ver-
suchte auch technische Reize im Bilde, aber andere als einigung, nach Zusammenklang, — war der Gegensatz,
wir. Doch auch der naive Mensch unserer Tage bewegt Formender Schöpferwille schied Licht und Finsternis,
sich noch in dem gleichen Empfindungskreis, er bewun- Oben und Unten, Süße und Bitternis, Festes, Wasser, Luft
dert das Feine, das Exakte. Er hat für das, was wir und Feuer, Innen und Außen, Kern und Ring, Strom und
technische Ehrlichkeit nennen, wenig Sinn. Nur Ästheten Gegenstrom, Pol und Gegenpol in allem Ding. Hart und
schwärmen für das Grobe. Das technische Werden, Weich, Grob und Fein, Groß und Klein, Arm und Reich,
die Spuren des Werkzeugs, will der Kulturmensch Lust und Pein, Traum und Wirklichkeit, Raum und Zeit
sehen, der mit Bauplatz und Werkstatt nichts mehr zu schuf lebendiger Schöpferwille, — und machte, daß alles
tun hat. Dem Handwerker dagegen schwebt Salon- ewig wechselt. Seligkeit der Ruhe und Glück der Wand-
fähigkeit als Ideal vor, für sich wie für sein Werk, hing, Süße des Verweilens unter Gleichem und Freude
Je mehr die Kaufkraft der eigentlichen Kulturschichten der Vollendung im Ausgleich der Gegensätze schuf der
zurückgeht, desto mehr wird auch unser Kunsthandwerk lebendige Geist: Süße des ewigen Seins und Glück des
wieder sein Werk verfeinern, kultivieren müssen. Der ewigen Werdens. — Und als er ansah, was er geschaffen
Holzhändler lehnt die betont hölzerne Schnitzerei, das hatte, siehe, da war es gut. »Alles was da tobt und tut,
mit Axthieben gemalte Bild ab. . . . anton jaumann. ist gut, denn es ist sein Geist und Blut«. . . hlgo lang.
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