Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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INNEN-DEKORATION

ARCHITEKT FRlTZf AUG. BREUHAUS-KÖLN KLEINES SPEISEZIMMER IN DER WOHNUNO B.

ZU BESUCH-ZU GASTE

Kannst du nicht im eigenen Hause wohnen, dann suche Geh keinem Kompliment, das du machen könntest,

deine Wohnung auch im fremden Hause, soweit aus dem Wege . . Eine zu grobe Schmeichelei aber ist

dies angeht, zum eignen Haus zu machen. Mit Recht stets eine Beleidigung für die Urteilskraft des anderen,

sagt Rückert: »Unseliger ist nichts, als wenn dir's im- Geschickt plaudern, reden, ohne etwas zu sagen, ist

mer ist, du seiest nicht zu Haus, wo du zu Hause bist.« die Kunst der feinen Gesellschaft . . Humor mit Takt

Der Gebildete fragt nicht: Wo wohnst du? sondern: verbunden, macht dich zum Liebling aller Menschen,

wie wohnst du? . . . Was du an deine Wohnung wen- »Wollen wir nun nicht von etwas anderem sprechen?«

dest, bringt dir und den Deinen stets sichere Zinsen, fragte eine liebenswürdige Wienerin ihren Nachbar, den

Laß einen Gast lieber in dein Wohnzimmer eintreten, Maler M., mit feinem Lächeln, nachdem dieser, seiner

als in das ungeheizte Besuchszimmer . . . Nicht das Gewohnheit gemäß, während der ganzen Tafel schweigend

Besuchszimmer, sondern das Wohnzimmer und Schlaf- neben ihr gesessen hatte. ... La Rochefoucauld sagt:

zimmer geben den Maßstab für deine Ordnungsliebe. »Wir verzeihen oft denen, die uns langweilen, — aber

Sei vorsichtig mit langen Besuchen. Komm nicht zu wir können denen nicht verzeihen, die wir langweilen.«

oft. Ein indisches Sprichwort sagt: »Besuche deinen Empfange deinen Gast so, daß er gerne kommt, un-

Freund einmal im Monat, so wirst du teuer sein.« . . . gern geht . . . Bequem gesessen ist halb gegessen. . .

Mit der Besuchskleidung zugleich lege auch Besuchs- »Freude schenke den Gästen aus«, sagt ein weises

Stimmung an. Mißstimmung und Laune lasse zu Hause, Dichterwort, denn: »Wermut haben sie selber zuhaus.«

oder nimm deinen Unmut mit, um ihn los zu werden. Merke: »Wird man wo gut aufgenommen, muß man

Sprich in Gesellschaft weniger von dem, was dich nicht gleich wiederkommen. . . . konstanze von franken.

schmerzt und dir Sorge macht, als von dem, was dich freut, (auszug aus dem werkchen: »der gute ton«, max hesse-verlag—berlin.)

Halte dir vor, daß man schon am Klang der Stimme *

die Art des Sprechenden, seinen Charakter und sein Gemüt 1 ^INZELWISSEN ohne Gesamt-Empf indung ist

erkennt. Sprich von dem, was andere unterhält, ihnen 1^ tot, — es wirkt auf den Inhaber, — menschlich wie

angenehm ist, sie mit dir und sich selber zufrieden macht, sittlich genommen, — stets nur nachteilig, lancbehn.
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