Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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130 INNEN-DEKORATION

KUNSTGEWERBEHAUS FRIEDMANN & WEBER JAPANISCHES Z1ERGARTCHEN MIT TEICH

ALT-CHINA - ORCHIDEEN - KAKTEEN

AUSSTELLUNG BEI FRIEDMANN & WEBER-BERLIN.

Diese Ausstellung, die Friedmann & Weber-Berlin
in ihrem Kunstgewerbehaus zusammen mit Hermann
Rothe aufbauten, war aus einer spielenden Laune des
Geschmacks geboren. Man hat erlesene Stücke alt-
chinesischer Herrlichkeit, Bronzen, Nephrite, Porzellane,
Stickereien, aus Privatbesitz, von Sammlern, von Händ-
lern, herangeholt und mit den zartesten und absonder-
lichsten Wundern der Blumenzucht in Verbindung ge-
bracht. Und es ward ein Ergötzen für Augen und Sinn.

*

Die Fachgelehrten der ostasiatischen Kunst, die immer
so ernste Gesichter machen (und von denen einem immer
der eine ins Ohr flüstert, der andere habe keine Ahnung),
werden sich vermutlich über die graziöse Tändelei dieses
Einfalls bekreuzigen. Doch wer, unspezialistisch, Freude
an schönen Dingen und seltsamen Kontrasten hat, fühlt
sich gerade dadurch sonderbar angeregt. Natur und
Mensch treten zu einem Wettstreit an — die selbstherr-
lichste und geheimnisreichste Erfindung pflanzenhaften
Wachsens und die reifste Formgestaltung, die mensch-
lichem Geist gelang. Kunst und Natur sind Eines nur.
Von zwei Seiten her werden Türen in die gestaltenreichen
Rätselgründe des triebmäßig-gesetzesstrengen Phantasie-
Schaffens geöffnet, das hier wie dort waltet.......

Ein japanisches Ziergärtchen funkelt auf. Mit Kir-
schenblütenzweigen, Zwergkieferchen, Ahornbäumchen
aus einem Puppenlande, mit Holzbrücken und Türm-
chen, fernen Moosen und Blümchen. Eine Spielzeugwelt,
über der Glöckchen zu klingeln scheinen. Ringsum in

Nischen, gravitätisch aufgereiht und fein geordnet, deko-
rative Kostbarkeiten. Eine blaue Porzellan-Ecke, anderen
blankem Schimmern und satten Tönen das Auge sich
ergötzt. Vitrinen mit geschnittenen Meisterstücken, aus
Jade, aus Speckstein, aus Lapislazuli — mein Blick blieb
verliebt namentlich an einer unerhörten Katze aus Berg-
kristall hängen, in der plastische Weisheit triumphiert.

Dann Bronzen und Holzschnitzereien..........

Ein anderes Gegenüber. In der Mitte ein mächtiges
Orchideenfeld von zauberhafter Buntheit. Die ganze
Gesellschaft hat sich eingefunden. Die gelben mit den
braunen Flecken. Die bildnerisch festgeformten Schuhe.
Die tropischen Schmetterlingen vergleichbaren. Die rosa
Blüten mit den lechzend roten Mäulern. Die blassen
Kelche, wie aus Jade geschnitten. Ein Gedränge von
Üppigkeit, Lüsternheit, Ubermut. Raffinierte erotische
Träume, die zu lebendigen Gebilden wurden. Ver-
schwenderische ornamentale Freude breitet sich, ein
Füllhorn lachender Farbenstellungen ist ausgeschüttet.

*

Zufälle? Nein, hier regiert ein unbewußtes Müssen, das
sich unter die Gesetze der Schönheit und der Harmonie
stellt. Und so führt ungezwungen die Linie hinüber zu
den lieblichen und großartigen Werken der fernen Men-
schen, die still und fleißig, mit zärtlichen Händen, aus der
Einheit eines künstlerischen Volksgefühls arbeiteten.

Damit vermengt Dinge, die landsmännisch nicht dazu
gehören, aber durch ihre Phantastik sich doch zu Hause
fühlen: Kakteen der wunderlichsten, groteskesten, unbe-
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