Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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PROF. EMIL
FAHRENKAMP
DÜSSELDORF

TÜRE ZUM
HERRENZIMMER
HAUS OBERHEID

DIE FARBE IM INNENRAUM.

SEHEN - NACHDENKEN - PROBIEREN!

So wichtig in jedem einzelnen Falle die Frage ist,
welche Farben man zur Erzielung einer ange-
nehmen Raum-Wirkung wählen soll, und so zweifellos
hierbei alles von der räumlichen Verteilung abhängt, so
lassen sich doch feste Formeln dafür weder geben noch
rechtfertigen . . Wenn man den historischen Entwick-
lungsgang der Innendekoration in den letzten Jahrhun-
derten überblickt, so kann man, insoweit der farbige Ge-
samt-Eindruck in Frage kommt, leicht zwei Kategorien
unterscheiden: das Zimmer mit überwiegend gedämpf-
ter und gesättigter Farbenstimmung, wobei eine maßvoll
polychrome Dekoration Ideal ist, — und das Zimmer mit
sehr heller Gesamt-Stimmung, wobei ein Grundton das
Ganze beherrscht.. Dort begegnen wir natürlich - künst-
lerischer Freiheit: jedem Stoff und jedem Gegenstand
wird sein farbiges Recht zu teil, der Raum bildet ein
polychrom zusammengestimmtes Ganzes; das farbige
Zusammenstimmen wird hierbei um so leichter, je
mehr natürliche Oberflächen edler Stoffe Verwendung
finden . . Im zweiten Fall, in der hellen Farben-Einseitig-
keit oder Isochromie, bewegt sich alles in einer Richtung,
eine starke Farbe überwiegt. Rechtfertigen läßt sich diese
nur dann, wenn man eine Reihe von Räumen, — jeden
in einer anderen Farben-Autorität — dekorieren kann.
Bei ihrer Anwendung in kleineren Verhältnissen wird
häufig übersehen, daß ihre Erfolge auf dem mehrfachen
Wechsel der Szene und der einfarbigen Grundstim-
mungen beruhen. In einem Zimmer, das zu dauerndem

Aufenthalt bestimmt ist und überdies verschiedenen
Zwecken dienen soll, muß eine verständnisvolle Deko-
ration sich ebenso von monotoner Einfarbigkeit, wie von
verwirrender Buntscheckigkeit fernhalten.. Wer da meint,
er verübe etwas vornehm Stilvolles, wenn er ängstlich
die gleichfarbigen Stoffe für Tapeten, Möbel und Vor-
hänge seines Zimmers zusammensucht, der geht in der
Irre. Er hat einmal etwas von »Harmonie« in der Farbe
gehört, ohne ernstlich nachzudenken, was damit gemeint
sein könnte. Die voll kommene Isochromie ist beunruhigend,
armselig; das gesunde Auge will keine Monotonie, auch
dann nicht, wenn sie im denkbar farbigsten Kleide dar-
geboten wird; um sie genießbar zu machen, müssen wir
sie unterbrechen und beleben. Jede Art von farbiger
Unterbrechung hat ihren eigenen Stil: die Falte, das
Relief, die Tektonik, Intarsia, Flächenmuster, Malerei
usw., — alle diese Dekorations - Elemente haben ihre
aus Mittel und Zweck sich ergebende Logik . . Zum
Verständnis des Wesens der Farbe im Raum ist ein
langer Weg. Er heißt: Sehen, Nachdenken, Probieren! .
Und das ist wiederum sehr schön geordnet; denn nur
den Besitz wissen wir ganz zu schätzen, den wir durch
eigene Kraft erwerben.. georghirth t (das deutsche zimmer.)

Jede gesunde Entwicklung bedarf nichts notwendiger
wie ihres Kraft-Überschusses, der kaum groß
genug bemessen werden kann. Neues kann immer nur
im Gegensatz zum Alten geschehen.....h. de fries.
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