Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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BESCHWINGTE FARBEN UND FORMEN

zu den arbeiten von gerhard severain

Gerhard Severain, jetzt an seiner unlängst er-
wählten neuen Wirkungsstätte in Wiesbaden tätig,
hat durch die raumkünstlerische Gestaltung des an seinem
früheren Wohnsitze Brandenburg a. d. Havel gelegenen
Hauses Gebhard einen verheißungsvollen Wechsel auf
sein zukünftiges Schaffen ausgestellt. Die hier veröffent-
lichten Zimmer-Durchblicke erfordern keine ausgedehnte
Beschreibung: Die ruhige Harmonie des Gesamtbildes,
die anmutig belebten Möbelformen sprechen für sich
selbst, jedoch bedarf der über die Räume ausgebreitete
Reiz beschwingter Farbigkeit, auf den Wiedergaben
dem Beschauer leider entzogen, einiger erläuternder Worte.

Den Besucher des Hauses empfängt nach Durch-
schreiten des elfenbeinfarbenen,mit schwarzen Beschlägen
ausgestatteten Garderobe-Raumes (S. 93) die Kompo-
sition des Vorzimmers (s. Beilage): grüner Wandanstrich,
unterbrochen durch grauschwarz gestreifte Vorhänge,
dazu Mahagoni-Möbel — als freundlicher Auftakt. Das
Empfangszimmer (S. 96—97) mit taubengrauen, gold-
grün abgesetzten Wänden, von denen weiße Möbel mit
grau-rot-schwarzen Bezügen sich wirkungsvoll abheben,
leuchtet in festlicher Helle, die in dem Wohnzimmer
(S. 94 —95) zu einer behaglichen Ruhestimmung abge-

dämpft wird. Hier bilden die elfenbein und rot getönten
Wände eine aparte Umrahmung der großblumig ge-
musterten Grau-Ahorn-Möbel. Die Plastik über dem
Kamine stammt — ebenso die Stickerei der Kissen usw.
— von der Hand der Gattin des Künstlers, Frau Mabel
Severain, deren vielseitiges, auf sicherer Geschmacks-
bildung beruhendes Können das Werk ihres Mannes in
liebenswürdigerweise ergänzt. Im Musikzimmer (S. 102)
erklingt das bunte Blumengerank der Tapete mit dem
Goldgelb der Möbel und dem Violett der Bezüge zu
einem frohen Akkord, der in dem Bilde des musizieren-
den Liebespaares über dem eingebauten Polster-Sitz
auf eine freudig bewegte Dominante abgestimmt wird.

Severain, in vielen Sätteln gerecht, von der Regierung
neuerdings zur Ausschmückung von Kirchen in Nassau
empfohlen, hat es auch nicht verschmäht, seine originelle
malerische Note einem Kino-Vorraum aufzudrücken
(S. 99). Starkbewegte, rot-blau-schwarze Tier- und
Blumenstücke beleben den lachsfarbenen Grund. . . .

Hoffentlich bietet sich dem begabten Künstler bald
eine größere Aufgabe, durch deren Lösung er beweisen
möge, daß seine Fähigkeit künstlerischer Raumgestaltung
sich in aufsteigender Linie bewegt.. . dr. emil höchster.

GERHARD SEVERAIN-WIESBADEN. HERRENZIMMER. SOFA-ECKE

1M1. III. 3.
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