Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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1NNEN-DEKORATION

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Künstler - Geist beseelt wurde. Das Ornament wird ser von selbst einfügen und damit beweisen, wie falsch

sich, abgesehen von Flächendekoration oder der Zusam- die Laienvorstellung des Begriffes »modern« fast überall

mensetzung der Furniere, als Bereicherung der gege- noch ist. Sie hat im Zusammenhang mit anderen Schlag-

benen Form auf die Auszackung oder Durchbrechung Worten eine unklare, aber starre Form angenommen, die

einer Zarge, eines Geländers, auf die Verzierung einer damit etwas Konstruiertes, Erdachtes und daher Tradi-

freien Endigung, eines Beschlages, auf die Ausgründung tionsloses in unüberbrückbaren Gegensatz zu dem bringt,

oder Kehlung einer Stütze oder eines Rahmens be- was landläufig als »Stil« bezeichnet wird. Es ist daher

schränken, ohne den organischen Aufbau zu beeinflussen, nicht zu verwundern, wenn die wesentlichen Ziele und

Wie ein Gerät durch Jahrhunderte alten Gebrauch Motive unseres neuen, werthaften Kunsthandwerks

traditionelle Formen annimmt, an denen sich ein Erfinder unbeachtet bleiben oder noch verkannt werden ....

vergebens mit witzigen Einfällen versuchen wird, so soll Zuletzt ist nicht nur die Form des Einzelstückes

allem wirklich gediegenen Hausrat immer etwas Gerät- für den Wohnraum maßgebend, sondern er selbst, der

ähnliches anhaften, anstatt fassadenhafter Stil-Anklänge Raum, dessen vier Wände nicht mehr vier Schau-Flächen

oder kunstgewerb-__ bedeuten, sondern

licher Spielereien . . Begrenzungen eines
Damit soll die Be- F Kubus, dessen drei-
rechtigung einer rei- dimensionale Körper-
chen Ausbildung und I - lichkeit an sich ein
kostbaren Verzierung Höchstes an Wirkung
nicht bestritten wer- darstellt; sie wird nur
den. Sie dient wie- f dann durch das Ein-
derum zur Hervor- stellen von Gegen-
hebung des Einzel- _ ständen nicht gestört,

möbels, das eines be- wenn diese in Wirk-
sonderen Schmuckes lichkeit »Mobilia«
für würdig befunden • | sind und säuberlich
wird. Ein polierter f,|l I von der Geometrie
Mahagoni - Schreib - |1 desRaumes und deren
tisch mit ausgeschnit- charakteristischen
tener Zarge, diagonal Ecken losgelöst blei-
furnierten Füßen, mit 1:1 ben. Ein großer
zartem Leistenprofil, Schreibtisch mit tief
eingelegter Arbeit an herabgehenden Sei-
der Mitteltüre und gafl tenteilen in die Mitte
herausdrehbaren Sei- einesRaumes gestellt,
tenfächern (s. Abb. ist imstande, diesen
S. 178) wird mitten zu einem Umlauf-
unter einfachen Bib- Korridor zu machen,
liotheks-Möbeln dem %. Eck-Einbauten, wie
ganzen Raum einen ■ sie lange Zeit in Kom-
erwünschten Mittel- bination mit Rauch-
punkt und eine beab- schränkchen für Her-
sichtigte Bedeutung ■ renzimmer beliebt
geben. Ebenso wird ^^^^^^^H^J waren, verstümmeln
sich im Speisezim- ^^WP^^l den Raum und führen
mer, Schlafzimmer dazu, auch die an-
usw. ein Anlaß bie- deren Ecken durch
ten, ein Möbelstück schräggestellteMöbel
je nach Bedarf beson- abzukappen und zu
ders zu behandeln. verderben. Büfetts,
Diese wenigenPrunk- die in das Pathos
stücke werden umso ihres architektoni-
sorgfältiger abgewo- ^^HL sehen Aufbaues nicht
gen und hergestellt HHMHHHBMMhbh^. selten auch dieWän-
werden und könnte j^Bjjgswa»».. J de mitreißen, machen
eine liebevolle Fami- h^^MEI ■ die Wände zu Fassa-
lientradition neu be- RHHh den, die sich in die
gründen, deren reiz- HH^H§ Tiefe des Raumes
volle Atmosphäre gliedern undihnselbst
heute zumeist mit an- W! ^s* aus einer positiven
tiken Möbeln erborgt j Form zu einem Rest
werden soll. Ja sie werden lassen. Da-
werden sich sogar in *' "^^^^^^^^^^^^^M gegen kann der Raum
die Atmosphäre die- archit. walther sobotka-wien. zioarren- u. likörschrank. Mahagoni durch Abschneiden
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