Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

Page: 237
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1921/0257
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
INNEN-DEKORATION

237

MESSE-STANDE AUF DER FRANKFURTER MESSE

VON PROFESSOR HUGO EBERHARDT—OFFENBACH.

Im Hasten und Treiben einer Messe drängt sich dem
Besucher eine solche Fülle von Eindrücken auf, daß es
ihm schwer fallen muß, aus der Masse das Gesuchte
herauszufinden und das Gesehene in sich festzuhalten.
Nur das Charaktervolle wird in der Menge von Gleich-
gültigem den Blick des Beschauers auf sich ziehen. Nur
das Charakteristische, das in seiner Gesamt-Erscheinung
Harmonische wird lange im Gedächtnis haften. . . .

Man weiß, die Ware an sich verliert sich zumeist in
der Menge des Gleichartigen und Ahnlichen. Die gute
Aufmachung erst rückt sie in den Vordergrund. Der
suggestiven Kraft, die eine geschmackvolle Meß-Koje aus-
strahlt, vermag sich niemand zu entziehen, gleichwie
niemand in der Lage ist, selbst in der belebtesten Ge-
schäftsstraße an einer bemerkenswert guten Schaufenster-
Auslage vorbeizugehen, ohne sie zu beachten. Würde
sie je dem eignen Auge zufällig entgehen, die Zahl
bewundernder Beschauer müßte auf sie verweisen. . . .

In dem Vertrauen erweckenden Gesicht einer wohl-
geordneten, harmonisch wirkenden Waren-Ausstellung
wird jedermann unwillkürlich und zwangsläufig das
Spiegelbild des ganzen Geschäfts-Aufbaus, der Fabri-

kationsweise, der Organisations-Gabe des Inhabers er-
blicken. Wer weiß nicht, in welch kurzer Zeit es dem
Berliner Hause Wertheim gelang, dem guten Publikum
Vertrauen zum Warenhaus-Betrieb zu geben? Wo ehe-
dem ein Erröten erfolgte, wenn man sich beim Einkauf
erwischen ließ, da drängte sich alsbald das beste Publikum.
Und welches Zauberwort hat diesen jähen Stimmungs-
wechsel hervorzurufen vermocht ? »Architektur« ! Der
Kunst eines Alfred Messel gelang es, diese Massen-
suggestion in kürzester Frist zu erreichen. Schon die
prachtvolle, große gedeckte Halle am Leipziger Platz ist
ein Schulbeispiel der Schaffensweise eines organisatorisch
begabten Künstlers, ersonnen in der Absicht, einen
Rendez- vous- Platz der sich Treff enwollenden des Berliner
Westens zu schaffen, der zwangsläufig den Wartenden
auch ins Innere des Hauses führt. Die hohen Fenster der
darüber liegenden Teppichhalle, wer sie bei abendlicher
Beleuchtung um die Weihnachtszeit gesehen hat, der bat
ihre Kaufstimmung-schaffende Wirkung auch gespürt.
In künstlerisch hochwertigen Räumen sorgte der Archi-
tekt dafür, daß die üblichen Warenhaus-Artikel in ge-
schmacklich hervorragender Weise sich aufbauten. Der
loading ...