Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928

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INNEN-DEKORATION

DIE REALITÄT DES SCHÖNEN

Die ästhetischen Bedürfnisse des Menschen sind
und bleiben genau solche Realitäten, wie sein
Wärme-Bedürfnis und Speise-Bedürfnis, und der extreme
Konstruktivist, der mehr an die Schönheit der »Wohn-
maschine« als an den Menschen denkt, für den er zu
bauen hat, handelt nicht sachlicher, als irgend ein Jugend-
stil-Architekt. . Wenn auch das Leben zum Teil in For-
men abläuft, die sich »begrifflich« in Formen fassen las-
sen, so erschöpft es sich doch nicht darin, wie Materia-
listen glauben. . Niemand braucht sich altmodisch vor-
zukommen, wenn er von seinem Haus sogar die Befrie-

digung von Gefühls-Bedürfnissen verlangt, — und nicht
nur, daß es den Regen abhält und die Mindest-Tempera-
tur von 15° garantiert. Nimmt man ästhetische Mo-
mente ins Pflichtenheft seiner »Wohnmaschine« auf, so
verstößt das noch lange nicht gegen das Gebot der
»Sachlichkeit«. Ein Auto, beispielsweise, ist unbe-
strittenermaßen zunächst eine auf schnelle Fortbewegung
eingerichtete »Transport-Maschine«, und doch ist die
Lautlosigkeit des Ganges, die Bequemlichkeit der
Bestuhlung, die Eleganz der Karosserie für die Verkäuf-
lichkeit des Wagens nicht minder wichtig als die Geschwin-
digkeit, obschon diese ästhetischen Nebenforderungen mit
der Hauptaufgabe wenig zu tun haben. . . peter meyer.
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