Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928

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INNEN-DEKORATION

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ARCHITEKT CARL MOLLER-KÖLN KAMIN IN DER HALLE. HAUS C.

DER KULTIVIERTE HAUSHALT

Was unter einem gepflegten Haushalt zu ver- Reich mitzuteilen weiß, in dem sie als weise Herrscherin
stehen ist, — so schreibt Hedwig Wenk in »Frau waltet. Voraussetzung für den warmgetönten Stil des
u.Gegenwart«,—läßt sich vielleicht mit wenigen Worten Hauses sind ganz gewiß nicht Prunkgemächer. Mit
sagen: er muß die Atmosphäre abgeklärten, selbstsicheren Reichtum zieht noch nicht ohne weiteres ein feiner Ton
Behagens ausstrahlen, die aus der unbedingten Beherr- in ein Haus. Im Gegenteil, er ist ihm oft hinderlich. .
schung der äußeren Form, also der hervorragend organi- Als Hüterin erlesener Kultur hat jede gebildete Frau
sierten, technisch-wirtschaftlichen Struktur des Haushalts ihre Menschheits-Mission. Wo könnte sie diese besser
hervorgeht. Trotzdem kann man über die Auslegung und erfüllen als bei häuslichem und sozialem Wirken, als Lei-
Auswertung des Begriffs verschiedener Meinung sein. . terin eines Hauswesens, das sie nach persönlicher Wesens-
Verbinden die Oberflächlicheren mit dem Begriff des art gestalten und mit geistigen Kräften ausrüsten kann?
»geflegten Haushalts« eine luxuriöse, üppige Lebensfüh- »C'est le ton, qui fait la musique«, sagt ein fran-
rung in mehr oder minder geschmackvoll ausgestalteten zösisches Sprichwort. Das heißt: im kultivierten Haus-
Räumen, so legen die an alte Kultur gewöhnten Men- halt ist jeder Ton aufs sorgsamste »abgestimmt«, und
sehen einen vertiefteren, geistigeren Maßstab an und im Zusammenspiel entsteht jene Harmonie der einzelnen
erwarten, daß innere und äußere Vornehmheit eines Instrumente, deren ureigenste Schöpferin die wirtschaft-
Hauses und ihrer Bewohner übereinstimmen. Oder lich-tüchtige und geistig hochstehende Hausfrau ist.« w.
doch, daß man bei der ersten Begegnung mit der Reprä- *

sentantin des Heims, der Hausfrau, jenes geheimnis- A/Tan kennt den Geist einer Frau im Augenblick, wo

volle, wohltuende »Etwas« spüre, das ihr Geist dem IVX man über die Schwelle ihres Hauses tritt, balzac.
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