Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928

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!NNEN-DEKORATION

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WIR WOLLEN HÄUSER zum Wohnen, nicht
»Dampfer mit Kabinen und Verdecks«. Ist denn
das europäische Wohnen schon so armselig geworden,
daß es keinen eigenen Typ mehr erzeugen kann, daß es
»von Verkehrsmitteln borgen« muß? . . Es ist eine ausge-
sprochene Gefahr für die Entwicklung, daß unsere moder-
nen Verkehrsmittel das Bildnerische so resolut an sich
gerissen haben, daß nun Verwechslungen drohen zwischen
»Architektur« und »Armatur«. Wir brauchen das Einzel-
haus, das ein Gleichnis des dem Heute aufgeschlossenen
Menschen ist, mit Beherrschung aller technischen Mittel
in Konstruktion, Hygiene, und künstlerischer Gestaltung
heutigen Lebensgefühls. Das gründet neue »Figur« des
Hauses in neuem Rhythmus, das ist ernst und doch leicht,

holt Atmosphäre herein ins Haus, spült Licht durch die
Räume und zwingt uns, zu sein, die wir sind. . Mit der
Verschränkung und Zusammenbindung der Einzelräume
zum »Einraum« — praktisch sicher noch problematisch
— ersteht jenes in vielen Entsprechungen lebende, straffe
und doch elastische Gefüge, das unser Leben umschalt
und doch freiläßt, das es nicht willkürlich individuell um-
baut, sondern »ausströmen« läßt mit Raum und Licht
und Terrasse, ins große »Draußen«, — dessen Kräften
also sich einbindet. . Nur so vermag heutige Architektur
das aktuellste »Problem heutiger Menschheit«, den
Gegensatz: »Individualismus« und »Kollektivismus«
einer Lösung näher zu bringen, im Menschen, der sich
öffnet den fördernden Kräften der Er de. Dr. oskar schürer.

professor heinrich straumer-berlin. frisiertisch im ankle1de-z1mmer der dame. haus st.-berl1n
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