Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928

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DAS LEBEN DES HOLZES

Zwanzig Jahre ununterbrochenes Arbeiten im
Handwerk schaffen Beziehungen, binden die
Gefühle an die Gegenstände täglicher Mühe und
unaufhörlichen Strebens. Diese Gestelle, Stühle,
Kasten, sie nehmen etwas vom Schaffenden mit,
sie greifen wirkend in seine Seele über. Es wäre
undankbar, nicht einzugestehen, wie das Arbeiten
mit dem Holze ein Vertrautsein bringt, dem Werte
und Schönheiten der Hölzer sich erschließen. Aus
diesem Vertrautsein ergibt sich Sinn und Recht-
fertigung des Möbels, in ihm wird menschliche Ar-
beit schöpferisch; sie wird ein Erwecken toten
Holzes zu einem zweiten Leben. Da spielt in un-
sere vier Wände etwas von der Festigkeit und
Würde des Baumes herein, die glatte Wand einer
Täfelung spiegelt hochstämmig die Erinnerung an
lichten sommerlichen Wald. Eine Schrankfront
ruft die Vorstellung »Henri Rousseau, Urwald-
bilder« auf, »wo Palmenwälder im Silber des Mon-
des an breiten Flüssen liegen, Bäume mit schwarz-
grünen Riesenblättern wie Mauern stehen.« . . . .

Pflanzen im Räume bringen immer Naturver-
bundenheit, und noch in seinem verarbeiteten Zu-
stand, in seinem zweiten Leben strahlt das Holz
treulich aus, was der Stamm, noch verwurzelt, an
Säften und Kräften der Erde in sich wachsen ließ.

Das breitet sich aus über die Flächen unserer
Möbel und kehrt verborgene Schönheit ans Licht.
Natur in der schönsten Bindung an menschliches

Können und Formen zieht in den Raum.......

Dieses Formen ist bei uns zweckgebunden, ja
nüchtern, eng. Eng umgrenzt sind die Bezirke
unseres Wirkens. Hart stoßen sich im Raum die
strebenden, bewegenden Kräfte, große Geberden
rufen Mißbehagen hervor und verfallen der Ab-
lehnung. . Damit ist zugleich die Form umschrieben,
die unser Leben hat; ihm müssen unsere Werke
sich eingliedern. Sie stellen dieses kühle, sachliche
Sein dar, das wir lieben, weil es unser Sein ist,
uns aufgeprägt durch Notwendigkeiten, die sich
unsrer Willkür entziehen. . Darnach bestimmt sich
auch die von mir angestrebte Form. Sie will
zweckmäßig sein, sie will vernünftig dienen; aber
sie ist gesuchter Strenge abhold, sie liebt weiche
Profile und umgängliche Gesamtform. Ihre ge-
staltenden Elemente sind daneben das Bedürfnis
nach Raumgliederung und eine klare, zünftige
Konstruktion. Aber das Liebste wäre mir, wenn
man von ihr sagen könnte, daß sie das Wort und
das Wesen des Holzes freundlich in sich schlösse:
mitten in künstlichem Bereich ein Hauch von natur-
haftem, pflanzlichem Leben.......hans buser
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