Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928

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360 INNEN-DEKORATION

ARCHITEKT Dr. RICHARD DÖCKER-STUTTGART HAUS K. IN GÖPPINGEN. ARBEITS-ZIMMER

DIE »BRAUCHBAREN« DINGE

Die Auseinandersetzungen über »Einrichtung in
neuzeitlichem Stil« in den amerika-
nischen Fachzeitschriften nehmen immer mehr
Raum ein: »Unsere Meinung ist«, — so heißt es da,
»daß die neuzeitliche Bewegung der Haus-Ein-
richtung einenlmpuls gewinnt, der sehr weittragend
und tiefgehend sich auswirken wird und nicht eine
vorübergehende Modelaune ist. Sie bedeutet nicht
nur eine Abwandlung der Entwurfs-Art, sondern
es handelt sich um eine völlige Wandlung der
geistigen Einstellung gegenüber dem Problem der
Einrichtung und um radikal veränderte Methoden

in der Erfüllung der neuen Bedürfnisse«.....

Ein Anderer fragt: »Wird der neue Impuls an-
dauern? Wird er sich durchsetzen? . Die Frage, ob
die neuzeitliche Einrichtungskunst in Amerika
sich durchsetzen wird, muß unbeantwortet bleiben,
bis eine gewisse Zeitspanne sich zwischen die
neue Sensation der ersten Darbietungen und die
endgültige Stellungnahme zu ihrem dauernden Da-
sein in Wohnhaus und Geschäftsbau gelegt hat.
Wenn man lediglich nach ihrem Erfolg in Europa
urteilen wollte, so würde man wohl die Überzeu-
gung gewinnen, daß das Interesse für die neue
Kunst für eine längere Periode zunehmen wird..

Wir in Amerika nehmen eine neue Mode schneller
auf als irgend eine andere Nation, — aber wir
lassen die Sache sich totlaufen, wir lassen die Mode
ebensoschnell wieder fallen. Jede bloße Mode-
laune ist bei uns »kurzlebig«. Was in der neuzeit-
lichen Kunst nur »Spielform« ist, wird seine An-
ziehungskraft daher in sehr kurzer Zeit wohl ver-
lieren. Zweifellos ist aber in den neuzeitlichen
Typen ein Element des Praktischen, das sich un-
serem vereinfachten modernen Leben gut einfügt.
Und dieses Element wird einen bleibenden Einfluß
gewährleisten auf die Dinge, die von uns und für
uns von der neuen Bewegung geschaffen werden.
Wenn aus den zahllosen neugeschaffenen Dingen
eine genügende Anzahl brauchbarer Dinge sich
ergibt, d. h. Dinge, die gefallen, die praktisch
und dauerhaft sind, dann wird die neue Kunst
eine Zeitlang bei uns bestehen bleiben. Wenn der
Hauptreiz der neuen Einrichtungs-Stücke aber nur
darin liegen sollte, daß sie »anders« (— »different«
—) sind, dann werden sie der Grausamkeit unserer
schnellwechselnden Laune ebenso ausgeliefert sein
wie andere beliebige Mode-Artikel. Jedenfalls ist
die neue Bewegung, im Ganzen genommen, ihres
belebenden Impulses wegen sehr wertvoll.« h. l.
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