Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928

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INNEN-DEKORATION

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professor eduard pfeiffer-mönchen. »landhaus r. am bodensee«. die morgenseite mit terrasse

Nun sehe man sich die kleinen Häuser an, die Prof.
Eduard Pf eiff er am Bodensee gebaut hat. Was sie
bedeuten, ist nichts weniger als eine einfache »Anleitung
zum Glücklichsein«. Man stelle sich vor: an einem See
zu wohnen, an einem so lieblichen See, in einem Häus-
chen über Weinbergen und im Obstgarten, in Licht und
Sonne, was braucht man mehr? Dabei sind die Häuser
gar nicht groß; etwa 1000 Kubikmeter. Sie müssen gar
nicht groß sein, denn das »Draußen« gehört auch zu
ihnen! Das Leben wird weit bei diesem Blick in die
Ferne, auf den See. Man sitzt auf der Terrasse, sieht
den Segeln zu, den Wolken, den Vögeln. Man sieht die
Sonne kommen und schwinden — Städter, wißt ihr, was
das bedeutet? . Und drinnen im Haus, da gibt es Wohn-
räume für die Familie und für die Freunde, geräumig und
hell und sauber, und von der Küche herein dringt schon
das Klingen von Gläsern und Geschirr und ganz fein
durchzieht ein Speisenduft den Raum . . Der Tag ver-
geht und wir legen uns schlafen in Räumen, die der
Friede selbst zu sein scheinen; wir ruhen, bis uns die
Morgensonne, die strahlend durch das Fenster scheint,
wieder weckt. Und ein neuer glücklicher Tag beginnt. .

*

Wer möchte nicht so »aufdemLand« wohnen? Für
Tausende würde das keine wesentliche Mehrausgabe
gegenüber dem städtischen Mietzins bedeuten. Warum
benutzen so wenige die Gelegenheit? . Wilhelm heizer.

»ES GEHT UM GESTALT«

Es geht nicht um »Begriffe«, es geht nicht um »Lehre«,
es geht einzig und allein um Gestalt«, — sagt
Rudolf Kaßner. . »Je tiefer oder innerlicher eine Ge-
stalt ist, umso mehr ist sie Gestalt. Je tiefer wir wer-
den, umso mehr wird uns Alles zur Gestalt. So sind
wir an die Schöpfung gebunden. Was uns also mit der
unendlich seienden und darum unendlich begehrenswer-
ten Welt der Gestalten, mit der Gestalt als solcher ver-
einigt, ist nicht der Begriff, sondern Erkenntnis als Leben
und Leben als Erkenntnis: — die Einheit beider«. . .



»Unendlich begehrenswert« nennt Kaßner die Welt
der Gestalten. Entzünden kann sich der Eros nur an
der lebendigen Gestalt, deren innerstes Wesen in irgend-
welchen Aspekten mit dem Wesen des Erlebenden har-
moniert. Und alles von dem Künstler schöpferisch Ge-
staltete, alles unmittelbar und mit vollem Einsatz Ge-
schaffene ist Gestalt, die denselben Wesenskern
birgt wie der, aus dessen Hand das Gebilde hervorging.
Auch Haus und Wohnraum unterstehen diesem Gesetz. —
»Je tiefer wir werden, umso mehr wird uns alles zur Ge-
stalt«, — das ist eine gewichtige und unbestreitbare
These. Je tiefer die Wesens-Anlage des Künstlers, des
Architekten, desto eher erkennen wir in seinem Ge-
bilde die echte Gestalt: das »Unsterbliche«. . h. lang.
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