Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928

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INNEN-DEKORATION

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IN FORM SEIN —FORMEN HABEN

Die Sportwelt der jungen Leute hat den Aus-
druck: »in Form sein« geprägt. Man ver-
gleiche damit die Sprache der älteren Generation,
die diese Wendung nicht kannte, dagegen von dem
Mitmenschen sagte: »er hat gute Formen«. Der
Unterschied springt in die Augen. . »In Form sein«:
das Ideal einer Jugend, der die Straffung der
Energien zum Kampf, der wachsame, gut trainierte
Körper, die selbstbewußte Haltung über alles geht,
und die ihre Forderung in diesem knappen Aus-
druck zusammenfaßt und ihn verwendet, um den
Helden des Tages zu beurteilen, — wohlwollend,
bewundernd oder abfällig. »In Form sein« be-
deutet: Startbereitschaft, versammelte Kraft. . . .

Dagegen: »Formen haben«. Man hat For-
men, wenn man gut erzogen ist, wenn man
liebenswürdige Manieren zeigt, wenn man ein ge-
wisses Etwas in der Geste hat, das damit ausge-
drückt wird, daß man sagt: »dieser Mensch hat
eine gute Kinderstube«. Man kann gute Formen
haben, ohne »in Form« zu sein. Und man kann
»in Form sein«, ohne gute Formen zu haben.. Trotz
des Charakters des Fließenden, der diesem »For-
men«-Begriff innewohnt, der mehr zwischen den

festen Abgrenzungen liegt als in ihnen, ist die Ver-
wandtschaft mit der klaren handlichen »Form« zu
erkennen. Welchen Sinn sollte sonst eine Redens-
art haben wie diese, daß man sich »in der Form
vergreift«? Oder wenn jemand die »richtige Form
gefunden hat«? Hinter den guten oder schlechten
Formen, — die das eine gemeinsam haben, daß
sie eine Vielheit in Bewegung sind, — ist die
»Form« da — als unsichtbarer Richtpunkt — sie
beeinflußt die Formen wie eine magnetische Nadel.
Wer sich aber zuviel nach ihr richtet, wird »for-
mell«, er verliert die Lebendigkeit, also Reiz und

Sinn der »Formen«...................

Wer »in Form« sein will, paßt sich nicht nur der
technisch bestimmten Form des Außenlebens an,
sondern will auch darüber hinaus zu seiner eigenen
Steigerung in seiner persönlichsten, häuslichen
Nähe eine ständige Erinnerung an seine Aufgabe
haben: in Form zu sein. . Mag dies Bedürfnis noch
zur Zeit von vielen unerkannt sein, ja aus dem
Gesetz der Trägheit und der Bindung an Kindheits-
Eindrücke im Bewußtsein abgelehnt werden, so
kann doch kein Zweifel daran entstehen, daß es
sich durchsetzen wird, di.h.schwab-felisch (in »die formc).
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