Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928

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INNEN-DEKORATION

PROFESSOR EMIL FAHRENKAMP-DÜSSELDOFF TANZSAAL. CAFE MONOPOL. AUSFÜHRG: H.RAUCH

ARCHITEKT UND MASCHINE

DER ARCHITEKT ALS MEISTER DER TECHNISCHEN MITTEL

Die Maschine ist des Architekten Rüstzeug — nur sein, wenn der Geist, der sie regiert, auch das mensch-

er mag sie lieben oder nicht. Wenn er sie nicht liehe Leben, das richtige Leben und seine Nöte versteht,

meistert, hat sie ihn gemeistert. . Die Maschine ist ein wenn er auch die Maschine wohl genug versteht, um

Werkzeug der Befreiung oder der Sklaverei, je nach der sie das arbeiten zu lassen, was uns zur Wohltat wird.

Leitung und Beobachtung, die ihr der Mensch zuwendet. *

Denn sie ist unfähig, sich selbst zu beobachten. Es ist Unsere Technik kann auf die Begriffe »Vervielfäl-
kein schöpferischer Wille in der Maschine. Der Mensch tigung«, »Nachahmung« und »Verbreitung« zurückge-
steht noch hinter dem Ungeheuer, das er geschaffen hat. . führt werden. Daher die Millionen Dinge unserer Zeit,
Beinahe ist es so weit gekommen, daß die Gier der die keine innere Beziehung zu ihrem Zweck haben,
menschlichen Natur alles wahrhaft Menschliche versklavt, Dinge, die einst der Ausdruck der Herzen und der Sinne
mit Hilfe der Maschine, — soweit ist es mit ihr gekommen, waren, der Seelen, deren Lebenshebe sie spiegelten. .

★ Wie benutzt jeder Meister sein Werkzeug? Er
Was von der Maschine als »Mörderin« gilt, das gilt lernt seine Eigenart kennen, erprobt es und findet heraus,
auch von der Maschine als »Dienerin«. . Wie soll wie und wozu es am besten taugt. So sollen fürs erste
sie sein? Das ist durch den schöpferischen Künstler die Architekten mit der Maschine verfahren. Archi-
zu entscheiden, — durch niemand sonst. Wer diese tekten sind — oder sollten sein — Meister der
Frage nur soziologisch und wissenschaftlich betrachtet, technischen Mittel ihrer Zeit. Sie sind — oder
übersieht das Wesentliche. Dies besteht aber darin, die sollten sein — Künder des Lebensgefühls ihrer
Maschine für die Erhaltung des Lebens, — nicht für Zeit. Stück für Stück müssen sie das Leben mit
die Zerstörung nutzbar zu machen. Besteht auch darin, Inhalt erfüllen, — oder sie haben ihren Beruf Ver-
den Menschen ein reicheres Leben zu bescheren. Die fehlt. Arbeiten sie nicht in diesem Sinne, so haben sie
Verwendung der Maschine kann wirklich lebenserhaltend ihre hohe Funktion als Hohepriester der Kultur verwirkt.
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