Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928

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209 INNEN-DEKO RATION

fritz aug. breuhaus-düsseldorf zimmer der tochter. haus b.-dortmund

DAS FLIESSENDE LEBEN

DER NATÜRLICHE WEG DES ARCHITEKTEN

Ich weiß nicht, ob die Welt in Zukunft bloß vom »Stan-
dard« regiert werden wird (— ohne Standard wird
sie aber in der kommenden Zeit sicher nicht regiert wer-
den! —); ich weiß nicht, ob es in Zukunft nur Bauen
oder auch Kunst geben wird. Ich weiß es nicht, und

offen gestanden, es interessiert mich nicht........

*

Ich tue meine Arbeit so, wie ich meine, daß ich sie
als ehrlicher Mensch tun soll, d. h. ich opfere die Be-
quemlichkeit und das Kapital meines Bauherrn nicht dem
Geschmack vergangener Jahrhunderte, erblich belasteten
Vorübergängern und Besuchern zuliebe. Ich versuche
einfach, ihm ein reelles, ein gutes Haus zu schaffen, worin
er es behaglich hat. . . Ich habe das Leben gerne
so, wie es ist; liebe es: schön oder unschön, doch
lebendig. Ich lasse es gerne fließen, so, wie es
eben fließt, und möchte es nicht von der müden Sehnsucht
weltabtrünniger Träumer in seinem Lauf stören lassen.

Ich bin zwar nicht für die Alleinherrschaft des Stan-
dards — es gibt mehr wichtige Dinge in der Welt, und
die Natur soll auch dort, wo sie zum Standard zwingt,
lebendig in Erscheinung treten —; der Standard aber
hat viele Vorteile. Die Natur in ihrer Selbstverständ-
lichkeit hat immer recht. Sie läßt es dem gesunden Sinne
immer am besten gehen in der Welt. Sie hat uns den
Standard gebracht. Sollten wir da naseweis sein und ihn
zurückweisen? . . Ich bin kein Idealist; ich gehe meinen
Weg so, wie die Mutter Natur mir diesen am leichtesten
begehbar zeigt; ich benutze und ergreife alles, was sie
mir aus ihrer natürlichen Triebkraft heraus bietet. . Leitet
dies zum Bauen? Leitet dies zur Kunst?........

Ein Freund von mir schrieb mir einmal: »Wir machen
unsere Arbeit gewissenhaft, besorgen sie bis zu den klein-
sten Einzelheiten, ordnen uns der Aufgabe völlig unter,
denken nicht an Kunst, und siehe: eines Tages ist die
Arbeit fertig — und erweist sich als Kunst!« . j.j.p.oud.
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