Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928

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DIE POLARITÄT IN DER ENTWICKLUNG

»ALLES HAT SEINE ZWEI SEITEN«

Auf ein aktuelles Problem in der amerikanischen
Entwicklung deutet ein kleiner Bericht in einem
amerikanischen Fachblatt. Da wird darauf hingewiesen,
daß 21 Prozent aller Nahrungsmittel, die in den U. S.A.
zum Verkauf gelangen, an Hotels, Restaurants und
öffentliche Anstalten gehen. 75 Millionen Mahlzeiten wer-
den somit jeden Tag »draußen«: außerhalb der Woh-
nung eingenommen. In den Städten ist der prozentuale
Anteil verhältnismäßig viel höher. Auf einer Tagung
wies eine Rednerin darauf hin, daß hier eine »Gefahr
für das amerikanische Heim« vorliege. Die vorliegende
Zahl zeige eine sehr bestimmte Wendung in der Frage
der »Mahlzeit« in Amerika an. Es erscheine also heute
billiger und angenehmer, die Familie und die Gäste in
ein passendes Hotel oder Restaurant zum Essen zu fahren,

als abends nachhause zu gehen. . Diese Wendung hat in
mancher RichtuDg Konsequenzen. Sie trifft auch die
Möbel-Produktion. Es habe keinen Zweck, so meint das
Fachblatt, zu versuchen, dagegen anzugehen und kost-
spielige Speisezimmer-Einrichtungen an Leute zu ver-
kaufen, die mehr und mehr »außerhalb« essen. Diese
Zeit-Erscheinung sei da und nehme noch zu und niemand
könne sie aufhalten. — Ob diese Entwicklung auch bei
uns einsetzen wird? Wer weiß. . Jedenfalls ist es ein
Zeichen der absonderlichen Gegensätzlichkeit unserer
Epoche, daß gleichzeitig in Amerika, — wie sich eben-
falls aus den Fachblättern ersehen läßt, — kostbare und
kostspielige Luxus-Möbel aller Art, auch in Speisezimmer-
Einrichtungen in einem Ausmaß produziert und kon-
sumiert werden wie noch niemals zuvor ! . . . h.l.

F. A. BREUHAUS, H. ROSSKOTTEN-DQSSELDORF. KABARETT »JUNGMÜHLE«-DÜSSELDORF. EINGANGSTÜRE
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