Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928

Page: 336
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1928/0359
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
336

INNEN-DEKO RATION

PROFESSOR PAUL GRIESSER - BIELEFELD WOHNZIMMER. Dr. S. AUSFÜHRUNG: H.RONS1ECK

ist am einleuchtendsten bei Sitz- und Liege- Auswahl und Verwendungsart des Materials be-

möbeln. Der Bildeindruck ist zunächst weniger stimmten. Je einfacherundregelmäßigerdieFormen

wichtig als die Art, wie sie den Körper tragen sind, um so stärker vermag das Material zu wirken,

und umfassen, wie er aufstehen, sich setzen und um so geheimnisvoller aber ist die Bejahung, die

sich um sie bewegen kann. Das Bild befriedigt aus beidem eine Einheit macht, so daß das Material

dann, weil es die Art der Bequemlichkeit, das nicht willkürlich eine Unruhe hineinträgt, sondern

körperliche Wohlgefühl auch visuell ausdrückt, den Sinn der Form lebendig erfüllt. Nur ein kaum

Das Gleiche gilt jedoch auch für Tische, Schränke, erlernbares Verstehen, ein sicherer Instinkt vermag

Türen, Schubfächer. Auch um sie und an ihnen hier die vollkommensten Wirkungen zu erzielen,

bewegt man sich und ihre Form, Anordnung und So wird es verständlich, wenn einzelne moderne

Aufteilung, Schwere oder Leichtigkeit stört oder Möbelgestalter bei allem Sinn für Formharmonie

hebt das Wohlgefühl, und zwar mehr oder weniger und bei aller Vereinfachung doch immer wieder

je nach der Wesensart des Besitzers........ heimliche Anleihen beim Dekorativen machen,

Dieses Moment der Bequemlichkeit, der »An- während andere ohne erkennbare Hilfsmittel ihren

passungandasTemperament« desMenschengenügt Möbeln ein charaktervolles Gepräge geben und die

freilich allein nicht, um einem Möbel Charakter zu Inhaltsleere abstrakter Form völlig überwinden,

verleihen. Doch man soll es nicht unterschätzen. Das Geheimnis des Erfolges, der den Arbeiten

An einem guten Möbel erkennt man das Wesen von Prof. Paul Grießer-Bielefeld in wachsendem

dessen, der es besitzt oder besitzen sollte, es soll Maße zu Teil wird, liegt zweifellos in der Fähigkeit

etwas von seinem Charakter an sich haben. Nicht dieses Künstlers, den beiden erörterten Momenten

weniger wesentlich aber ist die Beziehung von gerecht zu werden. In größter Schlichtheit und

Form und Material. Selbst die Struktur, Maserung unter Verzicht auf Ornament baut er aus strengen

und Farbe von Hölzern kann zu etwas äußerlich Kuben, klaren Linien und Flächen die Zweckformen

Dekorativem werden, wenn nicht die in ihrem Zu- seiner Möbel auf. Dennoch sind diese so mit dem

sammenklang begriffenen Formen des Möbels die körperlichen Wohlgefühl bestimmter menschlicher
loading ...