Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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kalligraphisch noch schöner. Warum denn greinen:
dass Ihnen das fare niente nicht dolee vorkommt, war-
um denn über Langeweile in Gesellschaft jammern —
Sie, der an Arbeit gewöhnt u. dem geistige Beschäfti-
gung zur anderen Natur geworden - - ist denn das
nicht natürliche Folge und wäre nicht das Gegenteil
höchlich zu bedauern! Mir scheint das eine Art Rheu-
matismus ich weiss aber nicht gleich au/ welches edlere
Glied des Körpers er sich geschlagen. So begreife ich
auch nicht die dichterische Anspielung auf das frisch
geschnittene Gras vulgo Heu vielmehr auf den lieblichen
Duft desselben — dieser Genuss ist mir so geläufig
als wie das tägliche Brod - - fortwährend hab ich den
Heuduft in die Nase (Das soll nicht eine triviale
Anspielung auf den Heumarkt sein) sondern es befindet
sich dicht über meiner Nase eine Art Heuboden u. s. f.
Unterbrechung.

i-j Sept
Die Langweile scheint auch hier endemisch zu wer-
den. Jetzt war gerade ein Bekannter da, der klagt
über Sterbenslangweile — er hat nemlich seit ein paar
Wochen kein Lineal mehr gesehen. Da ein zweiter
der hat Langeweile, „weil er nichts thuen mag" etc.
wie er selber eingesteht, „lesen kann man auch nicht

immer, zum Spazierengehen ist es schon beinahe wieder
zu heiss, und wo soll man denn hingehen, ohne dass
man sich ärgert, namentlich in Gesellschaften11 u. s. f.
Von Mai er erhielt ich dieser Lage gleichfalls einen
lamentablen Brief — in St. Virich wurde er leiden-
der als je — Athem Noth - - Schmerz an der Hand

— am Fuss (Gicht); und dann die Kälte die nach und
nach unerträglich wurde, zwangen ihn auszureissen
und er ist seit ca. S 'Jag in Varn (Filiale vom Brixner
Elefanten) u. wird wenn das Wetter sich wieder ver-
schlimmern sollte, lieber wieder ganz zurückkehren.

— Dr. Fries Schwester in Carlsruhe gestorben (43
Jahre alt Schlagfuss). - - Kunst Neues nichts — als
litterarisches anbei ein Ausschnitt aus den NNN. -
der arme Metzger muss noch einmal sterben. Wir aber
bleiben vor der Hand noch ein wenig hier und zwar
so lange als möglich „es pressiert nicht so" sagte der
Posthalter von Wolfrathshausen „ich mag nicht so schnell
schon ein Engerl werden.'1 Zu Fenster Paraden und
zu allerlei Liebestechtelmcchtel sagen wir resignirt A.
D.; aber die Liebe zum Leben mögen wir nie verlieren
bis ganz zu allerletzt — früher hoffe Sie wieder ge-
sund und wob' begrüssen zu können Ihr treuer

C. Spitzweg

inittweg <

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PAUL GAUGUIN, MÄDCHENKÜEF

AUSSTELLUNG KÖLNER l'KI V ATISESITZ, KUNSTVEREIN

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