Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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In die bekannten und genugsam gerühmten Re-
gionen des Loggienhaus führt der vierte Band.
Aber durch die Betonung, dass dieser Trakt einst die
Wirkung des Palastes zur Stadt hin bestimmte, ge-
winnt der meist nur seiner Innendekorationen wegen
bewunderte Bau neue Bedeutung. Er tritt gewisser-
massen als Fassade vor alle früheren und schliesslich
durch Bramantes Anlagen übertönten Bauten des Vati-
kan. Daraus hat der gewissenhafte Verfasser für sich die
Verpflichtung abgeleitet, eine freigebig illustrierte Bau-
geschichte des Vatikan zu geben. Wir geniessen den
Vorzug, überall in dem vatikanischen Labyrinth unauf-
gehalten mit unserm Führer passieren und durch geheim-
nisvoll verschlossene Höfe bei der Bibliothek sogar bis
zu Bramantes alter Rampe dringen zu dürfen.

Durch Amelungs und Weeges archäologische Ab-
handlungen über das Verhältnis der Loggiendekoration
zu den antiken Vorbildern gewinnt die oft gestreifte
Frage fast zum erstenmal eine positive Erörterung.
Amelung stellt mit der systematischen Denkmalskenntnis
des Archäologen die Herkunft zahlloser Motive in den
Stuckreliefs des Giovanni da Udine und seiner Helfer
fest. Weege fügt dazu zwei für die RafFaelforschung
neue Untersuchungen. In den Malereien dersogenannten
Titusthermen, vielmehr des „goldenen Hauses", deren
Eindruck auf Raffael man Vasari eigentlich nur nach-
gesprochen hat, finden sich heut noch, in der Zwischen-
zeit vernachlässigt und vergessen, reichliche Reste, die
jenes Zeugnis vollauf bestätigen. Dem Kenner.antiker
Dekorationsmalerei ist es gelungen, an vielen Stellen
direkt die Vorbilder der Loggienmotive nachzuweisen.
Dazu fügt er die erste exakte Abhandlung über das ge-
heimnisvoll unzugängliche Badezimmer des Kardinals
Bibbiena, das in allen seinen antikischen und antikisie-
renden Details zum erstenmal photographiert worden ist.

Überhaupt ist es ein Vorzug dieses Bandes, dass er
vielfach abschliessend und doch anregend wirkt, zur Ruhe
kommen diese Fragen nicht so bald; da ist das ausführ-
liche Abbildungsmaterial, das alle Pfeiler, Gurten und
Zwickel der Loggien vorführt und der an Ort und
Stelle unmöglichen Betrachtung erschliesst, besonders
willkommen. Oskar Fischel

AugustL.Mayer. DieSevillanerMalerschule.
Mit 70 Abbildungen. Leipzig, Klinkhardt und Bier-
mann, 1911.

Im Vergleich mit der Kunstgeschichteltaliens, welche
einem fruchtbaren Gefilde ähnelt, das allseitig und gleich-
massig angebaut wird, gleicht jene Spaniens einem Ur-
wald, in den nur ab und zu ein kühner Jäger einen Vor-
stoss wagt, um ein besonders leicht zu treffendes Wild
zur Strecke zu bringen. Dort ist die Entwickelung längst
klar gelegt, Ursache und Wirkung gesondert, in alle
Winkel hat die Forschung hineingeleuchtet, hier hat man
sich rein zufällig nur einiger Persönlichkeiten bemächtigt,
an die Darstellung der grossen Zusammenhänge aber
noch kaum die Hand gelegt. In dieser Entwickelung aller-

dings gehen beide Disziplinen parallel. Wissenschaftlich
begann die Erforschung der italienischen Kunstgeschichte,
die in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts
einsetzte mit der Biographie Raffaels, dessen Kunst dem
akademischenKlassizismus des damaligen Zeitgeschmacks
am nächsten lag, die Spaniens Jahrzehnte später mit den
LebensbeschreibungenvonVelasquez und Goya, in denen
der veränderte Geschmack die Ahnen der Luft- und
Lichtmalerei erkannte. Beide Male ging die Forschung
in engstem Zusammenhang mit den Anschauungen der
jeweiligen Mode vor, sie suchte in der Vergangenheit
nach dem Maassstab, den sie an die Schöpfungen der
Gegenwart legen konnte. So sind einem weiteren Kreis
von der spanischen Kunst eigentlich nurVelasquez und
Goya und in der allerjüngsten Zeit, als der Impressionis-
mus nach einem Stammbaum suchte, Greco vertraut ge-
worden, während z. B. Murillo, der eigentliche Liebling
des Publikums, den aber keine Modeströmung trägt,
noch bis zum heutigen Tage auf eine abschliessende
Darstellung seines Lebens und seiner Kunst warten muß.
In dieser einseitigen Bevorzugung der Grossen sind
Deutsche, Engländer und Franzosen völlig eines Sinnes
gewesen, alle drei waren von Velasquez und Goya förm-
lich hypnotisiert und unfähig neben ihnen auch die an-
dern noch zu sehen. Das hat sich erst in den letzten
Jahren geändert seit eine jüngere Generation der älteren
an die Seite getreten ist. Schubert hat gründlich und
zusammenfassend eine Geschichte des spanischen Barock
gegeben, August L. Mayer Ribera, Cano, Greco be-
handelt und sein Augenmerk auf die bis dahin sehr ver-
nachlässigte Frühzeit der kastilianischen und aragoni-
schen Malerei gerichtet. Diesen verdienstlichen Arbeiten
hat er jetzt seine lang erwartete Sevillaner Malerschule
folgen lassen. Erleichtert oder erschwert, wie man es
nun eben nehmen will, wurden diese Studien durch den
Mangel brauchbarer Vorarbeiten. Gonzalez de Leon
Noticia artistica de Sevilla von 1844 ist kaum mehr
jemand zur Hand und die außerordentlich brauchbaren
Publikationen, die Gestoso aus den Sevillaner Archiven
veranstaltet, kommen in ihrem überwiegenden Teil der
Geschichte des Kunsthandwerks mehr zu gut als der
Geschichte der Malerei. So war August L. Mayer dar-
auf angewiesen, sein Gebäude ohne fremde Hilfe auf-
zuführen, allein auf Grund der Quellen, hauptsächlich
aber der Denkmale selbst und der Dokumente. Dieser
Umstand ist seiner Arbeit sichtlich zugute gekommen,
die Umrisse sind bestimmt gezogen, die Darstellung
frisch und überzeugend. Er bringt nicht nur die gründ-
liche Kenntnis des Bildermaterials mit, das doch an vielen
und nicht immer an bequem oder angenehmzuerreichen-
den Orten zerstreut ist; was seiner Arbeit einen beson-
deren Wert verleiht, ist auch seine Vertrautheit mit der
nichtspanischen Kunst. Die Ausblicke auf die flandrische
und die italienische Malerei, die er eröffnet, um ihre
Einflüsse auf Sevilla klarzustellen sind von grossem Reiz,
sie gestatten ihm auch die Wechselwirkung, die hier

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