Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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das Dreifache. Tschudi erwarb das Bild für etwa
50000 M. Das prunkende „Ballsouper" in der Na-
tionalgalerie wurde zur selben Zeit für 160000 M.
erworben. Den „Garten des Prinzen Albrecht"
kaufte Tschudi von Fränkel für 165000 M.
Böcklin
Die Böcklinpreise sind ähnlich. Der entschei-
dende Käufer, der viele Hauptwerke in den Han-
del brachte, war Fritz Gurlitt, der mit grossem
Enthusiasmus für den Meister und für viele an-
dere, zumal Feuerbach eintrat, und die Früchte
seiner Thätigkeit nicht mehr erlebte. Er starb im
Irrenhaus. Die Preise waren noch Anfang der
achtziger Jahre sehr bescheiden. Nicht ohne Mühe
brachte damals Gurlitt die Frau Neumann, die
sogenannte Frau Medea, die in der Leipziger Strasse
ein für damalige Verhältnisse mondänes Haus
führte, dahin, den „Sommertag" für 4500 M. in
ihren Salon zu hängen. Etwa zwanzig Jahre später
kaufte der bekannte Industrielle Lingner das Bild
für 84000 M. und schenkte es der Dresdner Ga-
lerie. Baron Wendelstatt kaufte Ende der achtziger
Jahre das „Spiel der Wellen" für 14400 M. und
schenkte es der Pinakothek. Er erhielt als Entgelt
die Erlaubnis, den Adel zu führen. Die „Tritonen-
familie" übernahm Seeger, der eine Zeitlang mit
der Firma Fritz Gurlitt liiert war, 1895 für etwa
20000 M. und verkaufte das Bild gegen 1900
für 100000 Kronen der Wiener Galerie. '894
verkaufte Gurlitt die „Frühlingshymne" für 28000
M. an Frau Codman. Diese trat das Bild an See-
ger ab, Seeger an den Baron Bleichröder, und von
Bleichröder kaufte die Dresdner Galerie gegen
1900 das Bild für etwa 78000 M. Die grösste
Preissteigerung traf bei „Triton und Nereide" ein.
Jordan bestellte das Werk gegen 1880 für die
Nationalgalerie. Das Bild wurde nicht abgenommen,
Böcklin kam in Verlegenheit und versetzte es für
3000 Lire bei dem damals in Florenz lebenden
Bildhauer Sussmann-Hellborn. Er hat das Bild nie
ausgelöst. Sussmann-Hcllborn verkaufte es später
für 36000 M. an einen Sammler, dessen Name
mir nicht mehr erinnerlich ist. Von diesem
erwarb es Simrock gelegentlich einer Ausstellung
des Bildes im Münchener Glaspalast für 65 000 M.
Später bot Direktor Schwarz von der Verlags-
anstalt Bruckmann, durch dessen Hände damals
viele Bilder Böcklins gegangen sind, für einen
Sammler vergeblich 120000 M. Vor kurzem hat
Justi das Bild von Frau Simrock für die National-
galerie erworben. Der Preis wird geheim gehalten

und dürfte zwischen 200000 und 300000 M.
liegen. Das Bild geht erst nach dem Tode der
Frau Simrock in die Galerie über. Gurlitt
pflegte die Bilder mit geringem Aufschlag wei-
terzugeben. Bilder, die er um 1880 mit 1000—
2000 Lire bezahlte, sind jetzt ausnahmslos 40000
bis 60000 M. wert. Einen wesentlichen Verdienst
dürfte er nur mit der „Pieta" realisiert haben, für
die die Nationalgalerie, soviel ich weiss, 2 5000 M.
zahlte und die Böcklin kaum höher als 10 000
Lire berechnet haben dürfte. In den letzten Jahren
sind ausser dem Simrockschen Gemälde keine we-
sentlichen Werke Böcklins auf den Markt gekom-
men. Aber auch die unwesentlichen werden hoch
bezahlt; so die dürftige und übermalte Wieder-
holung des Bildes „Musik und Malerei" auf der
Auktion Herbst 40000 M., oder die „Anadyo-
mene", die dem Baron v. Heyl gehört, im vorigen
Jahren bei Schulte 45000 M.
Feuerbach

Feuerbach steht nicht annähernd so hoch, ist aber
auch, zumal in den letzten fünfzehn Jahren, merk-
bar gestiegen. Die von der Firma Fritz Gurlitt 1 894
veranstaltete Ausstellung dürfte den ersten Anstoss
zu einer Erhöhung des Preisniveaus gegeben haben.
Das schöne Bildnis der Mutter Feuerbachs wurde
der Leipziger Galerie in den achtziger Jahren ver-
geblich für 4500 M. angeboten. Seeger erwarb
das Bild Ende der achtziger Jahre von Gurlitt für
7000 M. Nach der Jahrhundertausstellung, die
für so viel deutsche Werte zum Wecker geworden
ist, kaufte Tschudi das Werk für 25000 M. für
die Nationalgalerie. Heute wäre es wohl das Dop-
pelte wert. Die grosse „Nana" verkaufte die Firma
Fritz Gurlitt 1905 für 13600 M. Im Jahre 1911
brachte das Bild 30000 M. Zu einem ähnlichen
Preis kaufte die Nationalgalerie 1910 die „Mir-
jam", die den früheren Besitzer vor zwölf Jahren
etwa 7000 Kronen gekostet hat. Feuerbachsche
Landschaften, die vor der Jahrhundertausstellung
so gut wie keinen Preis hatten, werden jetzt mit
etwa 15000 M. bezahlt. Alles in allem beweist
auch heute noch das bescheidene Niveau der
Feuerbachpreise, wie wenig die Entwicklung des
deutschen Urteils mit der Ausdehnung des deutschen
Geldbeutels Schritt gehalten hat.
Leibl

Die grösste Steigerung ist in den letzten Jahren
der malerischen Münchener Schule zuteil ge-
worden. Die Preise für Spitzweg hat die Jahr-
hundertausstellung verzehnfacht. Früher zahlte man

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