Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 22.1911

Seite: 77
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77 Personalien — Wettbewerbe — Denkmäler — Ausstellungen 7g

seine tüchtigen Bildnisse weiterschuf, ohne Erregung und
ohne Kampflust.

Eine Reihe hoher und höchster Gönner ist ihm treu
geblieben seit den siebziger Jahren des verflossenen Jahr-
hunderts, wo er durch Schlachtenbilder aus der öster-
reichischen Geschichte die Aufmerksamkeit auf sich lenkte.
Er hatte die Kriege von 1864 und 1866 in den Haupt-
quartieren miterlebt und durch sorgfältig gezeichnete, gegen-
ständlich gemalte, erzählende Bilder behandelt, die heute
zumeist im Besitze des Kaisers von Österreich sind. Sein
großes Reiterbild des Feldmarschalls Laudon hängt im
Wiener Hofmuseum.

Diese Werke haben ihm die Professur verschafft, die
er nach dem Tode seines Lehrers Karl Blaas (1879) antrat
und über drei Jahrzehnte gewissenhaft und liebenswürdig
ausgeübt hat.

In dieser Zeit hat ihn zumeist nur mehr das repräsen-
tative Bildnis beschäftigt, zu dem ihm der höchste Kriegs-
herr, sowie mehrere Erzherzöge, Kriegsminister, Generäle
häufig Gelegenheit gaben. Sein letztes Porträt des Erz-
herzogs Rainer steht noch unvollendet auf der Staffelei.

So zieht sich ein Faden handwerklicher Tüchtigkeit,
sachlicher Korrektheit aus einer früheren Zeit durch sein
Werk, den er unbeirrt weiterspinnt, der ihm die Anhäng-
lichkeit seiner Schätzer sicherte. Seine Schüler sind heute
noch am Werk, in seinem Sinne einige Wände der neuen
Hofburg auszuschmücken.

Seine Bilder waren zumeist von Persönlichkeiten ver-
anlaßt, die er oft gemalt hat, für offizielle Zwecke bestimmt,
die keine starke künstlerische Note, keine Persönlichkeits-
äußerung von Temperament erforderten.

Darum stand er auch abseits vom Kampf um künstle-
rische Siegespalmen, zufrieden mit dem Erfolge, der ihm in
jungen Jahren beschieden war.und eifrig tätig, die Erinnerung
an die guten Seiten dieser Epoche lebendig zu erhalten.

Bescheiden und als guter Kamerad fügte er sich dem
Kreise der Wiener Künstlergenossenschaft ein, deren Leitung
eine Zeitlang in seinen Händen lag. h. Fischet.

PERSONALIEN
Domkapitular Prof. Dr. Alexander Schnütgen in Köln
ist am Tage der festlichen Weihe des Schnütgen-Museums
die Ehrenbürgerwürde der Stadt Köln verliehen worden.

O Als Nachfolger Ludwig Habichs wurde zum Professor
für dekorative Plastik an der Techn. Hochschule in Stutt-
gart der Münchener Bildhauer Ulfert Janßen berufen.

Die königliche Akademie der schönen Künste in Ant-
werpen hat Professor Eduard von Gebhardt in Düssel-
dorf zu ihrem Ehrenmitgliede ernannt.

X Heinrich Zügel hat am 22. Oktober sein 60. Lebens-
jahr vollendet und wurde an diesem Tage von seinen
Münchner Freunden und Schülern wie von den Verehrern
seiner Kunst in ganz Deutschland herzlich gefeiert.

Professor Hans Olde in Weimar ist vom 1. Oktober
1910 ab auf seinen Antrag von den Geschäften der Direktion
der Großh. Hochschule für bildende Kunst entbunden und
vom gleichen Zeitpunkt ab Professor Fritz Mackensen
in Weimar zum Direktor der Hochschule ernannt worden.

Der in Berlin lebende Bildhauer Heinrich Günther
aus Gera, Schöpfer mehrerer größerer Denkmäler, wurde
vom König von Preußen zum Professor ernannt.

X Zu Senatoren der Berliner Akademie der Künste
an Stelle von Skarbina und Woldemar Friedrich sind von
der Genossenschaft der ordentlichen Mitglieder der Aka-
demie Prof. Hans Herrmann und Prof. Konrad Kiesel
gewählt worden.

WETTBEWERBE
□ Im Wettbewerb für eine neue Markthalle in
Stuttgart, bei dem nur Stuttgarter Architekten zugelassen
waren, erhielten Architekt Elsässer den ersten, die Archi-
tekten Bonatz und Scholer den zweiten Preis.

Die Einrichtung einer Beratungsstelle für künst-
lerisches Wettbewerbswesen hat der Bund deutscher
Architekten jetzt beschlossen. Nach einem zur Annahme
gelangten Antrag des Architekten Wilhelm Brurein in Berlin
soll die Beratungsstelle in Gemeinschaft mit dem Verbände
deutscher Architekten- und Ingenieurvereine, der Allgemeinen
Deutschen Kunstgenossenschaft, der Bildhauervereinigung
und dem Künstlerverband deutscher Bildhauer geschaffen
werden. Von dem Bunde deutscher Architekten wurde
ein Ausschuß gebildet, in den die Herren Brurein, Möh-
ring, Lühr und Drechsler delegiert wurden. Die anderen
Verbände sollen zu gemeinsamer Arbeit und Entsendung
von Delegierten in diesen Ausschuß ersucht werden. Die
Allgemeine Deutsche Kunstgenossenschaft und die Bild-
hauervereinigung haben bereits zugestimmt. Ferner will
der Bund deutscher Architekten neue, für das gesamte
Gebiet der künstlerischen Wettbewerbe gültige Grundsätze
aufstellen.

Die Stadt Antwerpen läßt die Zone ihrer Befestigun-
gen hinausrücken. Das frei werdende Gelände soll mit
modernen Garten- und Stadtanlagen bedeckt werden. Es
war zu diesem Zwecke ein internationaler Wettbewerb
ausgeschrieben worden. Die internationale Jury erteilte
den ersten Preis von 25000 Franken dem Projekt des
Pariser Architekten Henri Prost; den zweiten Preis
von 10000 Franken holte sich ebenfalls ein Pariser Archi-
tekt, Marcel Auburtin. Der Preis von 5000 Franken kam
ex equo zur Verteilung an Forbath, Eugen Lechner, den
Ungarn Ladislaus Wargo und den Antwerpener Architekten
Van Mechelen. Schließlich wurde noch einem deutschen
anonymen Projekt ein Sonderpreis von 1000 Franken erteilt.
Die Stadt Antwerpen ist nicht verpflichtet, die preisge-
krönten Entwürfe zur Ausführung zu bringen; sie kann sie
nach Belieben kombinieren oder der Notwendigkeit ent-
sprechend umformen. a. r.

DENKMÄLER
X Louis Tuaillon arbeitet gegenwärtig an dem neuen
monumentalen Reiterbilde Kaiser Friedrichs III., das für
die noch im Bau begriffene zweite große Rheinbrücke in
Köln bestimmt ist. Das Denkmal wird hier auf dem Kölner
Brückenkopf das Gegenstück zu dem vor einigen Wochen
enthüllten Reitermonument Kaiser Wilhelms II. von Tuaillon
bilden.

AUSSTELLUNGEN
Für die Abteilung der Internationalen Hygiene-
Ausstellung Dresden 1911 sollen als Ausstellungsobjekte
auch Kopien von alten Gemälden, die hygienisch interessante
Einzelheiten darstellen, zur Schau gebracht werden. Für
den Ankauf von solchen Kopien setzt das Direktorium der
Ausstellung 5000 Mark aus. Über den Ankauf entscheidet
eine Jury. Die Ausstellung trägt die Kosten für Hin- und
Rückfracht sowie für Versicherung und berechnet in der
historischen Abteilung keine Ausstellungsgebühren. Zuge-
lassen sind Kopien nach Wandgemälden, Miniaturen und
farbigen Darstellungen auf kunstgewerblichen Gegenständen,
dagegen sind Reproduktionen in Schwarz und Weiß aus-
geschlossen, da solche nur im Original oder in Photogra-
phie ausgestellt werden. Es können auch aus alten Ge-
mälden nur Teile herauskopiert werden, so z. B. aus dem
Uriasbrief von Franciabigio (Dresden) die Badeszene links;
aus der >Geburt der Jungfrau« von Ghirlandajo (Florenz,
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