Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 7.1909

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DIE SAMMLUNG ARNHOLD

VON

HUGO VON TSCHUDI

II

er Gang nach Emmaus
(von 1897) gehört in-
haltlich zu dieser Gattung.
Das Motiv, drei Männer,
die über Land gehen und
sich über Fragen des Heils
unterhalten, ist sicher der
Uhdeschen Auffassung re-
ligiöser Stoffe besonders
ungünstig. Christus lässt
sich hier ja wohl äusser-
lich charakterisieren, aber durchaus nicht in seiner
Wirkung auf die Jünger (die ihn ja zudem nicht
einmal erkennen). Das Bild bleibt eine Bibel-
illustration, deren Gegenstand als bekannt vor-

(FORTSETZUNG)

ausgesetzt wird. Was Uhdes ersten Werken, dem
„Lasset die Kindlein zu mir kommen" und mehr
noch dem „Tischgebet", ihre ungemeine Wirkung
gab, war dass sie aus einem innern und äussern
Erlebnis unmittelbar hervorgewachsen waren, weil
sie zeigten, dass einem religiös empfindenden Ge-
müt der Heiland noch immer unter den Leben-
den wandelt. Später hat Uhde einfach die Dar-
stellung der Hauptereignisse aus dem Leben Jesus
in das Milieu moderner Handwerker und Bauern
verlegt, doch fehlt diesen Bildern wie die Naivi-
tät so auch das Zwingende der Vorstellung jener
älteren Arbeiten. Immerhin boten sie ihm Ge-
legenheit zu einer starken Schilderung vielfältigen
Gefühlslebens. In dieser Hinsicht war aus dem

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