Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 7.1909

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DIE SAMMLUNG ARNHOLD

VON

HUGO VON TSCHUDI

m Wesen der
Privatsamm-
lung liegt es,
einseitig zu
sein. Ich mei-
ne damit nicht
die Einseitig-
keit, die sich
nur an das
künstlerisch
Wertvolle
hält, denn sie
gerade ist bei
den Privat-
sammlern

nicht immer zu rinden, während sie von den Leitern
öffentlicher Sammlungen mit Recht gefordert wer-
den sollte. Gemeint ist die Einseitigkeit, die sich
aus der Beschränkung auf eine bestimmte Zeit, eine

besondere Kunstgattung, eine künstlerische Rich-
tung ergibt. Sie ist begründet in der Liebhaberei
des Sammlers, der für sein Thun kein anderes Gesetz
anzuerkennen braucht, als seinen Geschmack. Und
je ausgesprochener sein Geschmack ist, um so ein-
seitiger wird die Sammlung sein. Es ist charakte-
ristisch, dass die Länder einer alten Sammlerkultur,
Frankreich und England, fast nur Sammlungen von
ausgeprägter Eigenart besitzen. In Deutschland ge-
hören sie noch zu den Seltenheiten. Typisch hier-
für ist ein Beispiel aus nächster Nähe. Die treff-
liche Sammlung italienischer und niederländischer
Primitiven des englischen Bankiers Solly bildet noch
heute das Rückgrat der Gemäldegalerie des Kaiser
Friedrich-Museums, während der Nationalgalerie
das qualitätsarme Vielerlei derWagenerschen Samm-
lung keine wesentliche Förderung bedeutete. Aller-
dings hatte gerade in Beziehung auf alte Kunst die
Liebhaberei rasch gelernt, sich auf beschränkte Ge-

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