Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 7.1909

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HENRI DE TOULOUSE-LAUTREC

VON

LOUIS VAUXELLES*

Die Galerie Bernheim stellte vor kurzer Zeit sechzig Bilder von Tou-
louse-Lautrec aus und plötzlich war ganz Paris einig in seinem Lobe,
während er noch vor einigen Jahren ein kaum bekannter und wenig an-
erkannter Künstler war. Man ist bei uns zu Lande so ungerecht gegen

starke, selbständige Künstler, dass man sich erst
nach Lautrecs Tode (er starb 1901 im Alter
von 3 7 Jahren), zu der Überzeugung durch-
rang, mit ihm sei einer der stärksten Meister
in der Wiedergabe des menschlichen Gesichtes
und der beste Beobachter des Pariser Lebens
bis in seine dunkelsten Tiefen dahingegangen.
So ergeht es aber stets unseren grössten
Künstlern; der Geschmack des französischen
Publikums ist so spiessbürgerlich, so furcht-
sam, dass Ehren, Reichtum, offizielle Aner-
kennungen und lobende Kritiken ausschliess-
lich den Repräsentanten der akademischen,
blutleeren Kunst zuströmen. Bouguerau, Ge-
röme, später Cabanel und Flandrin sind zu
den höchsten Höhen erhoben worden. Die
Revolutionäre der französischen Palette da-
gegen, die Impressionisten, deren Kunst noch
immer den grössten Einfluss auf ganz Europa
hat, blieben missverstanden, wurden verhöhnt,
verachtet und ausgepfiffen, und wenn sie nicht
Hungers gestorben sind, ehe sie die Essenz

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HENRI DE TOULOUSE-LAUTREC, YVETTE GUILRERT

* Die diesen Aufsatz erläuternden Bilder und Zeich-
nungen verdanken wir der Sammlung A. von Heymels.

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