Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 7.1909

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LEI BL-FÄLSCHUNGEN

VON

JULIUS MAYR

|iie es bei jedem bedeutenden Künstler
der Fall ist, so wird auch nach dem
Tode Leibls der Kunstmarkt von
Fälschungen seiner Kunst heimge-
sucht, teils von absichtlichen, teils
von unabsichtlichen.

Die unabsichtlichen Fälschungen, d. h. die,
die im guten Glauben kursieren, werden gerade
bei diesem Künstler dadurch begünstigt, dass sein
Werk ein verhältnismässig kleines ist und auch
dadurch, dass eine nicht unbeträchtliche Anzahl

seiner Bilder nicht signiert ist. Unzweifelhaft echte,
ja geradezu hervorragende Werke finden sich
darunter. Ich erinnere z. B. an das wundervolle
Porträt „Tochter der Frau Kiessing", das der Form
nach grösste, das der Künstler je schuf Und so
manche andere. Hat er ja doch selbst das Bauern-
bild (Dorfpolitiker) erst zwei Jahre vor seinem Tode,
auf Drängen des jetzigen Besitzers signiert. Bei
diesen unabsichtlichen Fälschungen mögen ganz
besonders Bilder seines ersten Kölner Zeichenlehrers
Bourel erwähnt sein, in dessen Atelier Leibl damals

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