Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 7.1909

Page: 276
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kk1909/0294
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile


CHRONIK

PAUL KERSTEN, LEDERBAND, HANDVERGOLDUNG

Im Januar starb in Berlin an den Folgen einer Blutvergiftung Kon-
rad Müller-Kaboth, der uns gelegentlich ein Mitarbeiter gewesen ist.
Wie viele Hoffnungen mit diesem jungen Schriftsteller begraben
worden sind, werden Alle begreifen, die sich seiner hier veröffent-
lichten Arbeit über Rayski (Jahrg. V. S. 133) erinnern. Er hat mit
diesem Aufsatz das Beste gegeben, was seine Jugend schon zu geben
hatte. Es ist seine reinliche Denkweise darin, seine frische Uber-
zeugungstreue; und es ist auch schon ein nicht gewöhnliches, ge-
schmeidiges Sprachtalent zu erkennen: Eigenschaften, die aus ihm
wahrscheinlich einen jener Kunstschriftsteller gemacht hätten, die
Deutschland eben jetzt so nötig hat. Wir sehen einen Sarg nun all diese
Blütenkränze der Hoffnung schmücken. Es bleibt uns nichts, als den
allzufrüh Gestorbenen tief zu beklagen, den Verlust lebhaft zu emp-
finden und dem Gedächtnis des Mitarbeiters Treue zu bewahren.

K. S.

Ein A.B.C. in Bildern von Max Liebermann. Das ist ein
Buch ohne Worte, es erzählt in Bildern, in flüchtigen Zeichnungen
voll eigentümlicher Kunst und Anmut, es enthält eine gute, ver-
ständliche Sprache, eine Sage voll uralter Spannung, es atmet Leben
und wenn Du so Seite für Seite umschlägst, tritt Dir die Klage und
die Wonne der Natur hinreissend entgegen. Das breite, gemächliche
Landleben haucht Dich mit seinen Winden an. Wind und Wolken
wehen und schweben in diesen kühnen, einfachen Reihen. Blühende
Sträucher, Landstrassen; und dann zwingt wieder die meisterliche
Feder die Sonne zum natürlichen, gedankenerregenden Untergan°-.
Oder wir blicken in eine Bauernstube hinein, wo nichts als eine alte

276



Wir

V:
loading ...