Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 7.1909

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ED. BARLACH, ZEICHNUNG

SCHWARZ-WEISS AUSSTELLUNG

KUNSTAUSSTELLUNGEN

SCHWARZ-WEISS

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T) erlin. — Die gewohnte Scbwarz-Weissausstellungder
Berliner Sezession, die in den letzten Jahren die Paul
Cassirerschen Ausstellungsräume benutzte, ist diesesmal
wieder zu einer grösseren Veranstaltung im Ausstellungs-
haus am Kurfürstendamm geworden. Wird auch bei
weitem nicht die Güte und Geschlossenheit der Aus-
stellungen etwa von 1902 oder 1903 erreicht, die immer
noch in der Erinnerung fortleben als bedeutende Er-
eignisse, so gehört diese Veranstaltung doch zu den
wichtigsten Kunstereignissen des Jahres. Der Gesamt-
eindruck ist etwas wild. Da neun grosse Räume ge-
füllt werden sollten, und da Kollektionen von Arbeiten
fremder Künstler nicht herbeigeschafft worden sind
(warum nicht? ein Cyklus der neuen Rodin'schen Zeich-
nungen, die neulich in Leipzig ausgestellt waren, wäre
wahrscheinlich zu haben gewesen), hat man nicht eben
sehr streng sichten können. Es kostet darum einige
Mühe, sich in dem bunten Durcheinander zurecht zu
finden. Doch wird die Anstrengung reichlich belohnt.
An dieser Stelle braucht ausführlicher nicht von der
Ausstellung gesprochen zu werden. Denn von den be-

herrschenden Arbeiten Krügers ist schon die Rede ge-
wesen,und viele der andern Kunstwerke sind den Lesern
dieser Hefte bereits in den letzten Monaten repro-
duziert worden oder sind ihnen aus Buchpublikationen
bekannt geworden. Es ist nämlich eine der erfreu-
lichsten Seietn dieser Ausstellung, dass gezeigt wird,
wie unsere Künstler immer mehr zur praktischen Ver-
wertung ihrer Fähigkeiten gelangen. Viele von ihnen
und gerade die besten, stellen ihre frei entwickelten
Gaben nun in den Dienst der Illustration. Und dass
ihnen diese praktische Selbstbeschränkung nur vorteil-
haft ist, beweist die entschiedene Meisterschaft, die
Künstler wie Slevogt, Walser und Corinth als Illustra-
toren entwickelt haben. Von solcher Illustrationskunst
werden wir am meisten immer zu erwarten haben,
weil sie niemals zu einem abstumpfenden Beruf wird,
wie es bei den Zeichnern des Simplizissimus etwa
der Fall ist. Ueber Wilke, dessen ganze Lebens-
leistung nahezu ausgestellt worden ist, wird in diesem
Heft besonders berichtet. Neben ihm bewundert man
Gulbranssons grosses Talent und Thönys Geschicklich-

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