Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 7.1909

Page: 89
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kk1909/0103
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
HENRI EVENEPOEL, CAFE

AUSGEST. IN DER AUSSTELLUNG BELGISCHER KUNST

KUNSTAUSSTELLUNGEN

JULES LAGAE, BILDNISBUSTE

AUST. BELGISCHER KUNST

T)erlin. — Die Saison beginnt ruhig. Im vorigen Herbst wurden
-*■ die Delacroix- und Gericaultausstellungen gleich zu starken
Kunsterlebnissen; in diesem Jahr wird nichts schon gezeigt, was
tiefere Empfindungen noch auszulösen imstande wäre, wenn man von
der unbeschreiblich reichen Herbstnatur herkommt, die gerade in
Berlins Umgebung ihre Juwelenhaft glitzernden Herrlichkeiten jetzt
verschwenderisch wieder entfaltete. Ja, man verlässt die Ausstellungs-
räume sogar mit dem vorwurfsvollen Gedanken, warum unsere Maler
es nur ausnahmsweise einmal versuchen, — Hagemeister, der Arbeiten
aus neuerer und früherer Zeit bei Gurlitt ausstellte, trat als eine rühm-
liche Ausnahme sehr sympathisch hervor — diese Herbstwunder der
märkischen Natur im Spiegel ihrer Kunst aufzufangen.

Unter solcher Stimmung leidet am meisten ein Künstler wie
Ulrich Hühner, der eine Kollektion neuer Arbeiten aus Travemünde
bei Paul Cassirer zeigte. Käme man nicht aus dem nebligen Licht-
gefunkel draussen, sondern aus einem winterlich trüben Grossstadt-
wetter, so würden seine Sommerbilder wahrscheinlich weniger Ölfarben
erscheinen. Jetzt wird man ein wenig ungerecht gegen die sehr
ernsten und tüchtigen Arbeiten, die alle beinahe den Punkt erreichen,
wo die Kunst eine Sache für sich zu werden beginnt; eine Kraft, die
von Naturerlebnissen nicht mehr unmittelbar berührt werden kann.
Beinahe! Ein Wort hoffnungsvoll und deprimierend zugleich; und

8?
loading ...