Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 7.1909

Page: 318
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kk1909/0336
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
f

■:

■ß

ler gew

CHRONIK

A. MENZEL

AUKTION

SAMMLUNG DOGEKLOH

I AMSLER UND

RUTHARDT, BERLIN"

Um wieviel gewissenhafter
auf deutschen als auf franzö-
sischen Redaktionen gearbeitet
wird, wenn es sich um das
Ausland handelt, beweist auf
die heiterste Weise ein Berliner
Bericht der in Paris erschei-
nenden Monatsrevue „Akade-
mos". Bei uns ist man jedes-
mal konsterniert, wenn in
einem französischen Künstler-
namen ein Buchstabe nicht
stimmt, ein Accent verwech-
selt wird. Die Pariser Zeit-
schrift lässt sich dagegen von
einem sagenhaften Dr. Numa
Praetorius unter anderem be-
richten, dass die besuchtesten
Restaurants in der Leipziger
Strasse Newpiaski und
Kheinpold sind, denen
sich „le Noisecheller" in
der Friedrichstrasse an-
schliesst. In derSezession
hat derEntdeckerBerlins
Zeichnungen von Wilhe
gesehen, Lithographien

von Hevogt und Radierungen'von LeislikofF. Auch hat er
mit Nutzen die Salons von Cassirev und von „Reiner et
Keller" besucht, im „Lessing theater" den Schauspieler
Banermann bewundert und im Kleinen Theater,, Moral"
von Plowa genossen. Wie es scheint, verwechselt der
genaue Pariser unsere Stadt, wie man's in Paris liebt,
mit Prag oder Moskau. Das mag von der östlichen Luft
kommen, die in Berlin so stark ja weht, dass der brave
Sigl selig die Residenz gerne als „Hauptstadt aller
Kassuben" bezeichnete.

Es ist immer von Interesse, Neues von Jan Toorop
zu sehen und zu erfahren. Wir geben darum einige
Reproduktionen nach neuen Arbeiten, die jüngst in
Holland, in der Larenschen Kunsthandlung in Amster-
dam, ausgestellt waren. Sie zeigen den Holländer, in
dessen Adern javanisches Blut fliesst und in dessen Kunst
darum ein natürliches ostasiatisches Element ist, auf dem
Wege gesunder Naturalisierung. Das verwegen über-
steigernde Stilisieren des Dekorativen weicht mehr und
mehr einer objektiven Naturanschauung. Dem Laien
freilich muten diese spitzgrifFelig hingeschriebenen, diese
mit altmeisterlicher Schärfe wie in Stahl geritzten, diese
das Psychologische und Determinierte hart übertreiben-
den Bildnisse immer noch fremdartig genug, immer
noch künstlich stilisiert an. Und doch ist es auch wieder

318
loading ...