Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 7.1909

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ZU ALFRED MESSE LS GEDÄCHTNIS

VON

AUGUST ENDELL

-

|ur die Danksagung Eines, der
viel von ihm gelernt, der von
seinen Werken tiefe Ein-
drücke, tausendfältige Be-
lehrung und fruchtbare An-
regungempfangen. Zu einer
„Würdigung", zu vorsich-
tigem Abwägen der Leistung
ist noch nicht die Zeit. Und
wenn jetzt kleine Leute eilen, das Werk des Ver-
storbenen mit klugen Worten vorsichtig herabzu-
setzen, so wird es doppelt Pflicht, den lebendigen
Eindruck festzuhalten, den die Jüngeren vor seinen
Bauten erlebten.

Was ich von der Architektur erhoffe, geht weit
hinaus über Das, wasMessel ersehnte und schuf. Ich
glaube an eine Architektur, frei von allem Eklekti-

zismus, frei von jeder Anlehnung; an eine Architek-
tur, deren Formen vom Kleinsten bis zum Grössten
trei aus unseren Bedürfnissen, aus unserem Empfinden
geboren sind. Und doch stehe ich nicht an, Messel
für den grössten Architekten zu erklären, den wir
in unserer Zeit kennen. Er ist auch ein Moderner
gewesen und hat im Wertheim-Bau eine Bahn be-
treten, deren Ende und Ergebnisse nicht abzusehen
sind. Aber seine einzige Bedeutung liegt doch nicht
darin. Seine Hauptarbeit lag auf einem anderen
Gebiet, wo er wahrhaft erlösend wirkte. Er ist der
Vollender des Eklektizismus. Er ist der erste in
Deutschland, der alte Formen nicht als Phrasen, als
Füllsel, als Rezepte verwandt, sondern ihnen Leben
zu geben gewusst hat, wie sie es in alten Zeiten
besessen haben. Und das bedeutete für unser Archi-
tektursuchen etwas Ungeheures.

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