Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 7.1909

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ZU WALTER LEISTIKOWS GEDÄCHTNIS

VON

JULIUS ELIAS

EINE JUGENDPHOTOGRAPHIE LEISTIKOWS

W;

'enn Einer heimgeht, der im Staate der
Kunst etwas zu sagen hatte, so rüsten
ihm die Geronten auf der Nationalmuseums-
Burg eine Leichenfeier, und all die Spitzen
und leitenden Leute des Kunststaates gehen
hin und versprengen vom dünnen Wein ihrer
Artistenweisheit .... Walter Leistikow ge-
hörte nicht in diese Hierarchie; er hatte im
Kunststaate nichts, um so mehr aber in
jenem freien Reich der Kunst zu sagen, das
durch die eigene innere Gesetzlichkeit lebt.
Die Ausstellung seines Nachlasses (im „Salon
Paul Cassirer") ist darum kein amtlich re-
präsentatives Ereignis, vielmehr etwas wie
eine persönliche Angelegenheit deutscher
Kunstfreunde. Leistikows Werk wird nun
seiner Bestimmung entgegenziehen: den Men-
schen zu dienen, die das Schöne besitzen
wollen als notwendigen Bestandteil, als Würze und Lust des eigenen Daseins. Leistikows Lebensarbeit
gehörte nicht zu den Büchern mit sieben Siegeln, die erst von den nächsten Geschlechtern gelöst werden,
eins nach dem andern. Er verlangte nicht von der Welt, dass sie, innerlich widerstrebend vielleicht, zu
ihm komme; er ging selbst zu der Welt, mit einem heiter gefassten Ernste: um die Welt an sein
Herz zu ziehen mit den Abbildern einer rhythmisch geordneten und innerlich beseelten Landschaftsnatur,

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