Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 7.1909

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KARL HOFER, FRAUEN AM MEER

AUSG. BEI FKITZ GURLlTT, BERLIN

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KUNSTAUSSTELLUNGEN

KLINGERS BRAHMSDENKMAL

"D erlin. — Die Berliner Sezession rüstete im Februar
Max Klinger zu Ehren eine Kollektivausstellung, in
deren Mittelpunkt das neue Brahmsdenkmal stand. Die
Veranstaltung sollte eine Huldigung sein; aber während
man den Meister mit ehrlichem Respekt feierte, ging
durch die Reihen der Sezessionisten doch ein vernehm-
liches Raunen, das Brahmsdenkmal sei schlecht. In
peinlicher Verlegenheit starrten die Gastgeber die
mächtige Marmormasse an. Dieser Widerspruch, dass
man einen Künstler ehrte, dessen Arbeiten reine Zu-
stimmung nicht auslösen, erschien dem Besucher der
Ausstellung nicht unbegreiflich. Denn auch ihm war
es unmöglich, Klingers Gesamtleistung anders als mit
Empfindungen starken Respekts, ja, sogar mit einer
gewissen Bewegtheit zu verlassen, während er doch
vom Einzelnen fast immer mit zwiespältiger Empfin-
dung und von dem neuen Denkmal sogar stark ent-
täuscht hinwegging. Es zeigte sich wieder, dass man
sich aufrichtige Verehrung für Klinger nie wird aus
dem Herzen reissen können, dass man jedoch über die

Einwände eines nicht zu unterdrückenden kritischen
Nein ebensowenig hinwegkommt.

In seinem Brahmsdenkmal hat Klinger sich, ent-
schiedener noch als vorher, Rodinschem Einfluss hin-
gegeben. Nicht zu seinem Vorteil. Wie es scheint,
ist auch Klinger dem allgemeinen Irrtum verfallen, in
Rodin vor allem einen in Stein und Bronze dichtenden
„Poeten" zu sehen, und die Stärke der Rodinschen Ein-
bildungskraft im symbolistische Beziehungen verknüpfen-
den, mit Menschenleibern beziehungsreich spielenden
Einfall zu suchen. WieRodin selbst darüberdenkt, das hat
er klar ausgesprochen: „Komme Einer und rühme mir
meine Symbolik, meine Kraft des Ausdrucks: ich weiss,
das einzig Wichtige sind die Flächen .... Ich will gerne
Symbolist heissen, wenn damit bezeichnet wird, was ich
von Michel Angelo empfangen habe: dass das Wesent-
liche der Skulptur in der Modellierung der Fläche be-
steht. Als Gott die Welt erschuf, war es gewiss die
Modellierung, woran er zuerst gedacht hat, denn sie ist
das alleinige Grundprinzip der Natur... Wenn ich nun

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