Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 7.1909

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JOHANN SPERL, BLICK VON STAUDACH AUFS GEBIRGE

PAUST. STAUDACH

JOHANN SPERL

VON

ULIUS MAYR

ach entbehrungsreicherjugend hatte
Johann Sperl endlich so viel er-
übrigt, dass er im Jahre 1865, in
seinem fünfundzwanzigsten Le-
bensjahre, die Münchener Akade-
mie besuchen konnte.
_____________ Zuerst in der Malklasse des Pro-
fessors Anschütz, später in der sogenannten Meister-
schule Rambergs war Sperl einer der eifrigsten
und besten Schüler. Von der bombastischen Hohl-
heit der damals Führenden in der Münchener Kunst
fühlte sich sein grundehrliches Wesen abgestossen;

die ihm angeborene Künstlermitgift der heiligen
Pietät gegen die Natur Hess er sich durch keine
Zeitanschauung rauben,

Schon bald nach seinem Eintritt in die Akademie
war Sperl mit Wilhelm Leibl bekannt geworden.
Gleiche Charaktereigenschaften und gleiche Kunst-
anschauungen waren es, die diese innige Freund-
schaft entstehen liessen. Leibl hatte zuerst mit seinem
scharfen Blicke das gediegene Wesen des neuen
Kameraden durchschaut. Sperl aber hatte rasch den
Gewaltigen in der Kunst erkannt und der Glaube
an dessen Mission war ihm damals schon uner-

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