Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 7.1909

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DIE SAMMLUNG ARNHOLD

VON

HUGO VON TSCHUDI

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V



ADOLF HILDEBRAND, FLÖTENBLÄSER

III

(SCHLUSS)

Neben Manet ist der zweite der grossen impressio-
nistischen Meister, Claude Monet, mit Hauptwerken
in der Sammlung Arnhold vertreten. Wie er Der war,
der zuerst eines seiner Bilder als Impression bezeichnete
und damit den Anlass zur Bezeichnung der ganzen Richtung
gab, so hat er auch am frühesten die Wichtigkeit der
Pleinairmalerei erkannt, ihr auf dem beschränkten Gebiet
der Landschaft die konsequenteste Durchbildung gegeben
und sie, dank seines langen arbeitsvollen Lebens, bis zum
äussersten Raffinement vervollkommnet. Nahe dem Anfang
seiner Entwicklung steht der Hafen von Honfleur (von
1866). Monet hat damals mit Boudin und mit Courbet an
der Küste von Havre gemalt, aber weder mit der feinen, etwas
weichlichen Kunst des Einen, noch mit der dunkeln Ton-
malerei des Andern hat dieses Bild etwas zu tun. In den
lichten, unvermittelt nebeneinander gesetzten Farben ist viel-
mehr Manets Einfluss deutlich fühlbar. Es tritt hier das
Merkwürdige ein, dass die pleinairistische Anregungen des
Alteren, die bei Diesem von einer bewussten Verwertung
noch weit entfernt waren, bei Monet, den seine landschaft-
lichen Motive zu einem dauernden Arbeiten im Freien nötigten,
rasch einen systematischen Charakter erhalten und dann ihrer-
seits Manet wieder zur Nachfolge zwingen. Das monumen-
talere Wesen des Vorgängers hat wohl auch auf die stolze
Silhouette der Fischerboote und die Annahme des für Monet
ungewohnten grossen Formates, das ein Atelierformat ist,
eingewirkt. Den spezifischen Reiz Monetscher Kunst hat
aber das Wasser, das in den Schatten grünlich, den bläulich-
weissen, bewölkten Himmel reflektiert und auf dessen leise
bewegter Oberfläche die Kähne zu schaukeln scheinen.

Wie rasch sich Monets Entwicklung vollzieht, zeigt die
„Grenouillicre" (so heisst ein Vergnügungsort an der Seine

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