Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

Seite: 365
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MAX PECHSTEIN, WANDDEKORATION

WANDBILDER VON MAX PECHSTEIN

VON

KARL SCHEFFLER

Die Wandbilder Pechsteins, die hier in einigen Re-
produktionen gezeigt werden, schmücken das
SpeisezimmereinesLandhauses in Zehlendorf, das ein der
neuesten Kunst passioniert Zugewandter sich von einem
Schüler Peter Behrens' hat bauen lassen und das sowohl
dem Vorübergehenden wie auch dem Besucher der in-
neren Räume laut und selbstbewusst zuzurufen scheint:
wohne kultiviert. Insofern passt alles einzelne gut zu-
einander; alles, auch die Malerei Pechsteins, ist aus
der gleichen Wirkungsabsicht hervorgegangen. Der
Geist, dem dieser avancierte Kunstfreund so fest ver-
vertraut, ist der Geist unseres neuen Kunstgewerbes.
Aus ihm stammt das etwas lehrlingshaft übertriebene
Behrensempire der Architektur, die starke Farbigkeit
draussen und drinnen, die Interieureinrichtung, die Bil-
derwahl und auch die Wandmalerei Pechsteins. Das Haus

ist insofern charakteristisch für diese Jahre, als darin an-
schaulich gezeigt wird, wie modernes Kunstgewerbe und
moderne Kunst, die bisher feindlich fast nebeneinander
hergingen, nach Vereinigung streben. Wer Freude an
tiefsinnigen Worten findet, mag das eine „Synthese"
nennen. Da nun die reine, die zweckbefreite Malerei un-
mittelbare Beziehungen zum Kunstgewerbe nicht wohl
haben kann, so bleibt dem Kunstgewerblichen nichts
anderes übrig als in die Sphäre der Malerei hinüberzu-
langen. Das ist denn auch geschehen, nicht nur in den
Staffeleibildern der Jüngsten, die man an den Wänden
findet, wo sie oft eine nicht geringe Wirkungskraft aus-
üben, sondern auch in den die Wände des Speisezimmers
gobelinhaft ringsum und von oben bis unten überziehen-
den Malereien Pechsteins. Wenn Dekorationsmalereien
nun ernsthaft gemeint werden und den Ehrgeiz haben,

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