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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 25.1914

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545

Forschungen

— Literatur

546

Leo Putz, das talentvolle Ehepaar Caspar-Filser, v. Petersen
und Riemerschmidt; von Berlin: Gallhof und Corinth mit
ganz neuen temperamentvollen Werken, sowie die begabte
Dora Hitz; von Dresden den auch stofflich sehr interessanten
Wiener Ferdinand Dorsch, Hans Unger und Robert Sterl
mit der geistvollen, brillant gemalten »Ariadne auf Naxos«;
aus Stuttgart: Robert Ffaug und den kapriziösen Luministen
Amandus Faure und schließlich aus Düsseldorf den stim-
mungsvollen, intimen Hambuchen und den flotten Impres-
sionisten Max Stern. Besonders reichhaltig und auch am
meisten von modernen fortschrittlichen Ideen imprägniert
erscheint die hochinteressante graphische Abteilung der
Ausstellung, eingeleitet durch eine prächtige Sonderkollek-
tion von Pankok-Stuttgart, dem sich unsere bekannten
modernen besten Graphiker wie Orlik, Hans Meid, Lieber-
mann, Slevogt, Corinth, Gulbransson, Käthe Kollwitz, Schin-
nerer, Greve-Lindau, Melzer, dieser mit trefflichen Farben-
holzschnitten, ebenbürtig anschließen. Von einheimischen
Graphikern wären hier u. a. Kupferschmidt, Ruppert, An-
heißer, Riedel, Göbel, Pfefferle, Link, der Russe Zabotin,
Kornhas und Zähringer, dieser ebenfalls mit trefflichen far-
bigen Holzschnitten, rühmlichst zu erwähnen. Auch die
Plastik, zum Schlüsse, hat in der Ausstellung sehr tüchtige
Leistungen aufzuweisen: Lehmbruck-Paris, Seiler-Frankfurt,
Kolbe-Berlin mit monumentalen Werken, Hoetger-Darm-
stadt mit glänzenden Majoliken, und von den Karlsruhern:
Volz, Schließler, Albiker, Feist, Sauer, Hügel, Kolmar und
Ehehalt, um nur einige bekanntere Namen hervorzuheben.

FORSCHUNGEN

Im Märzheft der Arte publiziert Italo Maione einen
Artikel über die Beziehungen zwischen Fra Simone
Fidati da Cascia und Taddeo Gaddi. Taddeo Gaddi
hat den berühmten Prediger jedenfalls in Florenz gekannt,
und noch im Jahre 1340 schrieb der Mönch dem Maler
einen langen geistlichen Brief als Antwort auf eine Bitte
um Fürsprache beim Himmel. Die Predigten und die
Schriften Fra Simones müssen auf Gaddi einen nachhaltigen
Einfluß geübt haben. Maione weist nach, daß mehrere
Darstellungen aus der heutigen Geschichte in seinen Fresken
zu Santa Croce und auf den kleinen vierpaßförmigen Bildern
in der Sammlung der Akademie zu Florenz von den Schilde-
rungen in Fra Simones »De Vila Cristiana« abhängig sind.
Besonders deutlich ist das bei der Geburt Christi, deren
Darstellung durch Taddeo Gaddi die letzten noch bei Giotto
erhaltenen Reste des byzantinischen Schemas abgestreift
und durch neue von dem Frate erfundene Züge ersetzt
hat. Ähnliche Veränderungen in Anlehnung an Fra Simone
weisen auch die Anbetung der Könige, die Begegnung an
der goldenen Pforte und mehrere andere biblische Szenen auf.

Dasselbe Heft der Arte enthält ferner einen Aufsatz
von Coestanza Lorenzetti über die Frühwerke Carlo
Marattis. Die Verfasserin zeigt an einer Reihe von Jugend-
arbeiten dieses Malers, wie er von der Nachahmung seines
Lehrers A.Sacchi ausgehend, später Einflüsse von Correggio
erfährt und endlich auch an den Werken Guido Renis und
Guercinos lernt.

Sehr interessant sind die Ausführungen, die A. Venturi
an derselben Stelle über zwei Denkmäler in Ferrara macht.
Es handelt sich um die von Leonello d'Este errichteten
Denkmäler der Markgrafen Nicolo III. und Borso, von
denen sich noch die Unterbauten erhallen haben, während
die Figuren der Herrscher selbst zugrunde gegangen sind.
Diese beiden Bauten, ein kleiner Triumphbogen und eine
Säule, zeigen so nahe Verwandtschaft mit den Arbeiten
Leon Battista Albertis, besonders dem »Tempio Mala-
testiano« in Rimini, daß Venturi glaubt, die eine auf einen
Entwurf, die andere auf den Einfluß Albertis zurückführen

zu können. Die historischen Grundlagen für diese Hypothese
sind in den engen Beziehungen Albertis zum Markgrafen
Leonello durchaus gegeben; ja Alberti hat sogar bei der
Vergebung des Denkmals für Niccolo als Sachverständiger
mitgesprochen, so daß es sehr wohl möglich erscheint,
daß er für den Unterbau herangezogen wurde. —

LITERATUR
Olof Granberg, Tresors d''Art en Suede.

O. Granberg, seit Jahren Beamter an der Galerie zu
Stockholm, hat ein dreibändiges, mit mehreren hundert
Lichtdrucken ausgestattetes Werk über die alten Meister in
den öffentlichen und Privatgalerien von Schweden heraus-
gegeben. Die drei Bände sind in großen Abständen er-
schienen, es ist dem Verfasser aber doch schließlich ge-
lungen, sein Werk völlig durchzuführen. Der Erfolg ist
namentlich für die Kunstwissenschaft ein sehr lohnender,
da Schweden eine große Zahl alter Gemälde, namentlich
von holländischen Meistern birgt, darunter manche, die
sehr selten sind oder solche, von denen wir bisher nichts
wissen. Auch solche Bilder hat sich Granberg angelegen
sein lassen, in Nachbildungen wiederzugeben, nicht nur die
Werke der großen Meister. Die Bestimmung der Bilder ist
eine den höchsten Anforderungen der Kritik entsprechende;
Granberg hat sich nicht nur auf seinen eigenen guten
Blick verlassen, sondern auch hervorgetretene Forscher,
namentlich Dr. Bredius und Dr. H. de Groot bei der Be-
stimmung der Bilder um Rat gefragt. Das Werk darf in
keiner größeren Bibliothek kunstwissenschaftlicher Werke

fehlen. w. Bode.

Karl Hagemeister, Karl Schuck. Leben und Werke.
Berlin, Bruno Cassirer. 1913.
Der Maler Karl Hagemeister hat seinem Freunde und
langjährigen Genossen dieses Gedenkbuch geschrieben.
Es ist keine kunstgeschichtliche Studie und macht keinen
Anspruch darauf, das zu sein. Der Verfasser sagt selbst,
»nur als Maler wollte er einiges bemerken und sich Schuch
als Mensch und Künstler zusammenfassend in Erinnerung
bringen.« So ist ein wertvolles Material vor der Vergessen-
heit bewahrt worden, persönliche Erinnerungen und die
intime Kenntnis der Schaffensweise des Freundes machen
das Buch wertvoll und zur Grundlage jeder künftigen
Darstellung von Schuchs Kunst. Es ist nicht immer leicht,
ein solches Buch zu lesen, das nicht im Gedanken an ein
Publikum geschrieben ist, sondern gleichsam wie ein Selbst-
gespräch. Aber der Geduldige findet viele wertvolle Auf-
schlüsse über den Künstler, und zwischen den Zeilen liest
er die Tragödie eines Daseins. a.

Robert Schmidt, Brandenburgische Oläser. Berlin, Reimar
Hobbing.

Es ist nicht das erstemal, daß das Berliner Kunst-
gewerbemuseum eine Gläserpublikation herausgibt. Wenn
wir Richard Borrmanns Lichtdrucktafel werk mit dem neuesten
Werke Robert Schmidts vergleichen, kommt uns der große
Unterschied zwischen der Anspruchslosigkeit der früheren,
noch gar nicht so längst vergangenen Zeit und den For-
derungen unserer, verwöhnt und kritisch gewordenen Tage
recht zum Bewußtsein; wie bedeutend überragt der gegen-
wärtige Berliner Museumsassistent, der sich schon durch
sein treffliches Glashandbuch aufs vorteilhafteste als Spe-
zialforscher eingeführt hat, den damaligen Museumsassisten-
ten, der schon lange Geheimrat geworden ist.

Vor einem Dutzend von Jahren, als über die branden-
burgischen Gläser nur die beiden geschichtlichen Aufsätze
von W. Gundlach vorlagen, hatte ich schon Gelegenheit,
auf die schönen Potsdamer Gläser in Kassel, Köln, in der
Sammlung Bardeleben (damals noch in Berlin, heute in
 
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