Sondheim, Moriz
Gesammelte Schriften: Buchkunde, Bibliographie, Literatur, Kunst u.a. — Frankfurt a.M., 1927

Page: 325
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keine Zutaten von fremder Hand sichtbar. Sie wirken wie
die Basier Kostümbilder Hans Holbein des Jüngern, die jedoch
nicht direkt als Vorbilder angesehen werden können. Der
Hintergrund ist mehr versuchsweise mit wenig Strichen an-
gelegt".') Ist es nicht merkwürdig bei einer Arbeit des Am-
brosius Holbein solche Ungleichheiten in der Komposition und
ihm ganz fremde Züge zu finden? Und erklärt sich dies alles
nicht auf die einfachste Weise, wenn wir annehmen, daß er
nach Murnerschen Zeichnungen gearbeitet hat? Murners Skizze
zum ersten Blatte, den Hof der Venus darstellend, wird er
vollständig umgeändert haben, denn solchen Aufgaben war Mur-
ner nicht gewachsen. Aber in den einfacheren Darstellungen
hat er Murners Kompositionen beibehalten, sie künstlerisch
umarbeitend, wie es Hans Burgkmair mit den Bildern zur
„Schelmenzunft" getan hat. Daher bei Holbein die „Vergröße-
rung aller Dimensionen innerhalb des Rahmens, die Beschrän-
kung in der Ausschmückung des Grundes, in der Zahl der
Figuren und die Vereinfachung der Innenzeichnungen".
Die Arbeit Holbeins bricht schon am Anfang jäh ab. Be-
kanntlich verschwindet jede Spur von ihm im Jahre 1519.
An seine Stelle tritt der Formschneider CA, ein geringer Künst-
ler, der Murners Zeichnungen ohne Erfolg zu verbessern sucht.
Seine Umarbeitung beschränkt sich im wesentlichen auf das
Kostüm und auch hierin ist er nicht selbständig. Wie Lucie
Stumm nachgewiesen hat, benutzte er dabei als Vorlage die
Holzschnittfolge der Klugen und Törichten Jungfrauen von
Niklaus Manuel Deutsch.^)

Simon Leopold Baer
Abschiedsworte
gesprochen bei der Beisetzung am 24. Februar 1919.
Wenn wir uns anschicken, unserem lieben alten Freunde
Simon Leopold Baer auf seinem letzten Wege das Geleit zu
geben, so gestatten Sie mir, im Namen der Firma, deren Chef
und Seniorchef er so lange Jahre gewesen, ihm ein letztes Dan-
kes- und Abschiedswort mitzugeben und in wenigen Strichen
ein Bild seiner Tätigkeit zu zeichnen, wie es sich in mir ein-
geprägt hat in einem Leben gemeinsamer Arbeit, das ich in
Freundschaft mit ihm länger als vierzig Jahre verbringen durfte.
Unser Freund entstammte einer alten Buchhändlerfamilie,
in der der Sinn, das Talent für das Buch sich vom Vater auf
Söhne und Enkel vererbte, wie in anderen Familien das Talent
i) Hes, a. a. O. S. 76 ff.
L. Stumm, Ein Nachahmer Niklaus Manuels, Anzeiger für Schweizerische
Altertumskunde. Neue Folge, Bd. X, 1908, Seite 326 ff.
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