Sondheim, Moriz
Gesammelte Schriften: Buchkunde, Bibliographie, Literatur, Kunst u.a. — Frankfurt a.M., 1927

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Mainz erschienen/) Die von Paquet erwähnte Bibel mit dem
Namen des Johannes Rudel, eines Sohnes des Wilhelm Rudel,
hat Peter Quentel in Köln 1527 gedruckt/)
1530 siedelt Christian Egenolff/) von Straßburg nach
Frankfurt üben Er läßt sich als Drucker-Verleger nieder, führt
die Schriftgießerei ein und erwirbt Hans Sebald Beham als
Hauskünstler. Schriftgießerei, Buchdruck und Buchillustration
hat er gleich mit dem ersten Wurf zur Höhe gebracht. Er ist
der erste in der stolzen Reihe von Druckern und Verlegern,
die Frankfurt im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert
zum bedeutendsten Verlagsorte Deutschlands gemacht haben.

Das Buchgewerbe in Frankfurt a. M.
An der materiellen Herstellung und dem Vertriebe des
Buches sind verschiedene Gewerbe beteiligt: Schriftgießer,
Papiermacher, Drucker, Buchbinder und Buch-
händler, Sortimenter und Antiquare. In Frankfurt,
das durch seine geographische Lage zur Handelsstadt und in-
folge der gegebenen Verhältnisse zur bedeutenden Messestadt
bestimmt war, hat sich von allen diesen Gewerben zuerst der
Buchhandel entwickelt. Spuren des Handschriftenhandels
zeigen sich frühe schon auf der Frankfurter Messe, und der
Buchhandel blühte auf ihr, lange bevor Frankfurt eine Buch-
druckerei von Bedeutung aufweisen konnte. Aus dem benach-
barten Mainz verbreitete sich die Buchdruckerkunst von 1462
an mit überraschender Schnelligkeit bis nach Süditalien und
Spanien, in Frankfurt finden wir eine leistungsfähige Buch-
druckerpresse erst seit dem Jahre 1530, wo Christian Egenolff
seine Druckerei von Straßburg nach Frankfurt verlegte. Er
entwickelte eine lebhafte Verlagstätigkeit und hat auch die
erste Schriftgießerei in Frankfurt errichtet. Ihm folgten
andere Drucker-Verleger, und in wechselseitiger Einwirkung
der internationalen Büchermesse auf die Verlagstätigkeit und
der Verlagstätigkeit auf den Buchhandel wurde im 16. Jahr-
hundert die Frankfurter Büchermesse die Zentrale des Welt-
buchhandels. Die Buchhändler des ganzen Abendlandes brach-
ten hierher ihre Verlagsartikel, die sie unter einander tausch-
0 Panzer, Annales VII 52, 6 u. 7. — M. Spahn, Cochläus 1898. Nr. 5a, ein
Druck von Cervicornus in Köln mit seinem Druckerzeichen in der Titelumrah-
mung von Woensam (Merlo 441). Nr. 5b gedruckt bei Morhart in Tübingen. Nr.
41 laut Vorrede in Mainz gedruckt. — In seinen Briefen aus Frankfurt beklagt
sich Cochläus wiederholt, daß er keinen Drucker hat. „Si modo ßdus mihi fo-
ret impressor, is optime haberetur Moguntiae". (Brief an Aleander, Frankf. 5
Mai 1521, in Zeitschr. f. Kirchengesch. Bd. 18. 1898. S. III.)
-) Panzer, Annales VI. S. 400. Nr. 482.
3) H. Grotefend, Egenolff 1881, G. Mori, Egenolff (Archiv für Buchgewerbe.
Bd. 44, Heft 8 und 10.)
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