Sondheim, Moriz
Gesammelte Schriften: Buchkunde, Bibliographie, Literatur, Kunst u.a. — Frankfurt a.M., 1927

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genleistung nur die Zusendung eines Exemplares der Bibel,
wenn sie gedruckt sei.
Sobald die Sendung aus Frankfurt angekommen war, be-
gann der Druck, der drei Jahre in Anspruch nahm. Im August
1743 verließ der letzte Bogen die Presse. Die erste in Amerika
in einer Europäischen Sprache gedruckte Bibel war vollendet.
Um Luther seine Dankbarkeit zu bezeugen, schickte ihm
Sauer 12 gut gebundene Exemplare. Das Schiff, welches sie
trug, geriet Seeräubern in die Hände und erste nach Jahren
gelangte die Sendung durch einen glücklichen Zufall in den
Besitz Luthers. Er behielt ein Exemplar für sich, das noch heute
von seinen Nachkommen in Frankfurt als ein kostbarer Schatz
aufbewahrt wird, und verschenkte die elf andern. I. Wright
hat diesen Exemplaren nachgespürt und ausführlich darüber
berichtetL) es ist ihm gelungen von den 11 Exemplaren sieben
in verschiedenen Bibliotheken Deutschlands zu entdecken. Als
achtes Exemplar kommt nun dasjenige hinzu, welches im Frank-
furter Bücherfreund I unter Nr. 463 beschrieben wird.
Sauer starb im Jahre 1758. Sein Sohn Christoph Sauer
druckte eine zweite Ausgabe der Bibel, die 1763 erschien. Eine
dritte Ausgabe, welche 1776 hergestellt wurde, lag zum Binden
bereit, als der Krieg mit England die Arbeit unterbrach. Bei
der Einnahme von Germantown durch die britischen Truppen
wurde die ganze Auflage zerstört. Die Soldaten machten aus
den losen Blättern Patronen und Streu für ihre Pferde. Die
Tochter des Druckers rettete zehn Exemplare, die sie für ihre
Kinder binden ließ.
So endete die Sauer-Bibel. Mit Typen, welche der von
Egenolff gegründeten Schriftgießerei entstammten, im fernen
Pennsylvanien gedruckt, den Gefahren der See ausgesetzt und
den Verwüstungen des Krieges verfallen, ist sie eines der
merkwürdigsten Beispiele jenes Fatums, welches nach einem
of gemißbrauchten Worte den Büchern anhaften soll.

Pinellis Scenen aus dem Römischen
Volksleben.
Bartolomeo Pinelli wurde zu Rom im Trastevere im Jahre
1781 geboren. Er war der Sohn eines armen, talentlosen Bild-
hauers und wuchs auf der Straße im Gewühle der ärmlichen
Bevölkerung dieses Stadtteiles jenseits des Tibers auf. Ein
echter Trasteveriner, von leicht aufbrausender Leidenschaft-
lichkeit, stolz auf seinen Stamm, in welchem sich das altrömi-
sche Blut am reinsten erhalten, von glühender Liebe zu seiner

') Ä. a. O. S. 40 IT.
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